Silvestergedanken

Bitte daran denken, wenn Sie heute Nacht anstoßen wollen: Sie müssen eine Sekunde länger warten, um pünktlich „Prost Neujahr“ zu rufen. Wen diese zusätzliche Sekunde Freizeit ärgert, der sollte sich einmal 2016 genau ansehen. Da müssen wir einen ganzen Tag länger darauf warten, um 2017 einläuten zu können und dann auch noch ein Werktag mehr (der 29.2. fällt nämlich auf einen Montag).

Wird jedoch alle die freuen, die nun wieder einmal am korrekten Tag Geburtstag feiern können und nicht etwa einen Tag zu früh (am 28.2.) oder einen später (am 1.3.)

Doch auch so ist Silvester schon eine komische Sache. Verständlich wäre ein Termin, beispielsweise beim Wechsel, der sogenannten Wintersonnenwende.  Aber weil ein Papst namens Gregor den Kalender so verordnet hat, ist für uns dieser schnöde Tageswechsel am 31. Dezember ein Jahreswechsel und diverse Vorsätze wert, die wir dann doch meist nicht einhalten.

Aber ich will nicht meckern, hätte der Papst damals das Jahr am 29.2. enden lassen, dürften wir nur alle 4 Jahre Silvester feiern und das wäre schade. Vor allem für die Hersteller der Feuerwerkskörper.

Silvester heißt auch nur deshalb so wie es heißt, weil an diesem Tag einst der Papst Silvester starb. Wäre dieser ein „Kevin-Friedbert“ gewesen, würden wir am 31.12. „Kevin-Friedbert“ feiern. Insofern haben wir auch da noch etwas Glück gehabt. Wenngleich auch immer wieder die Frage aufkommt: „Silvester mit i – oder y – also Sylvester?“.

In der heutigen Zeit wäre es vermutlich noch schwieriger, denn da gäbe es noch Namensvarianten, wie

Sülvester, Silwesta, Slvsta, Sl´wsta

sowie auch ein „Kevyn-Frydbert“ denk- und machbar wäre.

Letztendlich gibt es dann noch die Rebellen unter uns Bürgern: Das sind die, die bereits ab Verkaufsstart der Böller und Raketen diese durch die Gegend ballern. Wenn es dann kurz nach Start des 1. Januars regulär losgeht, erhöht sich der Geräusch- und Farbenpegel nur unwesentlich.

Also dann: Prost Neujahr und ein gutes 2016 wünsche ich Ihnen in ein paar Stunden– dank Papst Gregor!

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Nachweihnachtliche Gedanken

Weihnachten verdeutlicht mir immer arg die Vergänglichkeit von allem.

Eben noch wurden wir mit Bildern von Weihnachtsmärkten, den Umsatzzahlen des Einzelhandels, und der Weihnachtswerbung penetriert. Ich habe noch den Geschmack des Inhaltes meines letzten Adventskalendertürchens im Gaumen, da ist schon wieder alles vorbei.

Die einen sortieren die Geschenkgutscheine und planen die Einlösungen dazu. Wohl dem, der dazu nicht in die Geschäfte gehen muss. Dort findet man die Leute wieder, die man vor Weihnachten bei Einkäufen erlebt hat, als würden die Geschäfte über Wochen schließen. Genau diese Klientel ist nun in den Supermärkten und kauft erneut ein, als wären die Läden tatsächlich Wochen zu gewesen.

Die anderen haben sich schon auf Bahnhöfen, Flughäfen und vor allem auf den Autobahnen in Staus eingereiht, weil es jetzt in den Winterurlaub geht. Wer es sich leisten kann, der fährt dorthin, wo man künstlich Schnee aufgetürmt hat und wer weniger Kohle hat, hockt sich in einen Billigflieger und reist in südliche Länder, wo man die Gegend mit Hotels künstlich aufgetürmt hat.

Natürlich haben die Reisenden auch schon den Weihnachtsbaum entsorgt und immer mehr werden ihnen folgen, weil die Nadeln vom Baum weg und zum Fußboden wollen. Wenn ein schwedisches Möbelhaus uns wieder etwas von „Knut“ erzählt, hat es sich in vielen Haushalten bereits ausgeknutet.

Rasch folgt dann auch die Außenbeleuchtung, denn was soll ich anderen Menschen den Weg durch die dunkle Jahreszeit erhellen, wenn sich das negativ auf meine Stromrechnung schlägt. Offen gestanden bin ich stellenweise sogar froh darüber, wenn die kalte LED-Beleuchtung an so manchem Fenster verschwindet oder bunte Sparlämpchen entfernt werden, die flackern, als hätte man sie aus einer Diskothek entwendet. Das ist mir dann optisch doch alles mehr über- als besinnlich.

Ab Januar wird uns dann die Werbung mit Fitness- und Schlankheitsgadgets sowie Winterschlussverkauf-Schnäppchen locken und im Februar spätestens werden und die Ostereier und –hasen das letzte Weihnachtsfest völlig vergessen lassen.

Unstille Nacht

Es gab eine Zeit, das zwang die Natur den Menschen zur Aufmerksamkeit, um überleben zu können. Noch vor einigen Jahrzehnten galt dieses Gesetz noch – beispielweise beim Wecker.

Wer diesen nicht maximal elf Stunden und neunundfünfzig Minuten vor dem gewünschten Aufwachzeitpunkt aktivierte, der verschlief voraussichtlich. Doch nicht nur das: vergaß man die Feder des Schlagwerks aufzuziehen, befand man sich im Modus „Wecken ohne Ton“.

Hatte der homo sapiens diese zwei Konzentrationsaufgaben erfolgreich bewältigt, so stand dem Aufwecken nichts mehr im Wege. Doch selbst dann gab es noch einen äußerst kritischen Moment, denn der Wecker klingelte lediglich einmal und wer meinte, diesen Alarm ignorieren zu müssen, hatte die Folgen des Verschlafens zu tragen. Da gab es keine zweite Chance, in Form einer Alarm-Wiederholung und erst Recht nicht eine Schlummerfunktionstaste. Ein Feature übrigens, dass meines Erachtens für Masochisten oder devot veranlagte Menschen konzipiert wurde. Welcher vernünftige Mensch lässt sich den freiwillig von dem lärmenden Unhold auf dem Nachttischschränkchen zweimal oder mehrfach aus dem Schlaf reißen?

Hatte der Mensch von einst spätestens nach dem dritten Verschlafen gelernt, seinen Wecker nicht zu ignorieren oder mit der Konsequenz des Jobverlustes zu leben, so gibt die moderne Technik ihm heute diverse Chancen, sich doch noch aufzurappeln, alternativ den Arzt wegen einer Krankmeldung aufzusuchen. Blöde nur, dass die humanoide Gemeinschaft die Probleme stemmen muss, die sich aus diesen neuen Features ergibt. Extrem unangenehm, wenn das noch in einem hellhörigen Mehrfamilienhaus passiert, der erste Weihnachtsfeiertag auf einen Freitag fällt und der normalweise in Frühschicht arbeitende Bewohner der Wohnung über einen, verreist ist und seinen Wecker nicht deaktiviert hat.

So fing dessen Wecker gegen 4 Uhr an zu brummen. Nach zirka einer Minute des Lärms trat Stille ein, doch nur für eine weitere Minute, denn dann begann das Spektakel erneut.

Ein intelligenter Mensch würde nach dem dritten erfolglosen Weckversuch die Bemühungen einstellen, nicht aber moderne Technik, die keine „Dann eben nicht“-Funktion besitzt.

Nach einer Stunde tat der Wecker immer noch seinen periodischen Alarmierungsdienst, mein Puls war auf 180 und ich nahe dran, nach oben zu gehen und mit einer Axt erst die Tür und dann den Wecker einzuschlagen.

Irgendwann schlief ich ein.

Ob ich zu erschöpft war oder der Wecker, das vermag ich nicht zu sagen.

So stelle ich mir Weihnachten vor: schneefrei und mit richtig Lärm!

😉

 

Wer jetzt noch Geschenke braucht

Huch – es ist schon Heilig Abend – und noch immer nicht alle Weihnachtsgeschenke besorgt, weil dieses Fest immer wieder so spontan aus dem Dunkel der Wintermonate hervorschnellt?

Bis 14 Uhr war Zeit, um loszulaufen und die Besorgungen vorzunehmen. Nicht ganz einfach, denn zwischen all den anderen Spätberufenen sind dann noch die Delikatessen-Einkäufer unterwegs, die einem das Leben und vor allem Durchkommen erschweren.

Hier ein paar Last-Minute-Geschenke-Tipps von mir, die es nicht mehr rechtzeitig geschafft haben, sich mit Präsenten auszustatten:

  1. Schauen Sie einmal nach, was bei Ihnen noch unverpackt oder neuwertig in irgendeinem Schrank verpackt liegt, weil sie an dem einstigen Geschenk für Sie kein Interesse haben.

Vorsicht: Bei Artikeln mit Ablaufdatum, sollten noch einige Wochen Haltbarkeit vorliegen oder das Etikett gut umzudatieren gehen. Sicher sollte man sich zudem sein, dass das Präsent nicht bereits von der zu beschenkenden Person gesehen oder vielleicht einst selbst verschenkt wurde. Achten Sie peinlichst darauf, dass es zwischen einstigem Schenker und der neubeschenkten Person keine Querverbindungen gibt!

  1. Gutschein erwerben – am bequemsten über das Internet.

Vorsicht: An der Höhe des Betrages ist leicht erkennbar wie spendabel Sie sind. Unangenehm, wenn der Gutschein, den Sie vom Gegenüber erhalten, höher ausfällt als der Ihrige. Noch unangenehmer, sollte dieser um einen guten Betrag niedriger sein. Schenkungsverluste sind leider nie völlig auszuschließen!

  1. Basteln Sie etwas, denn selbstgemachte Artikel kommen gut an.

Für die Frau: Ummanteln Sie eine Streichholzschachtel mit Goldpapier und verschenken Sie diese als mobile Schmuck-Schatulle. Sollte das Geschenk mengenmäßig nicht den Ansprüchen genügen, versprechen Sie in Bälde dafür ein entsprechendes Schmuckstück zu erwerben.

Vorsicht: Wenn Sie sich selbst mit Bastelarbeiten schwer tun, dann malen Sie einfach mit eine dicken schwarzen Filzstift die Packung an. Damen legen Wert auf Style.

Für den Mann: Ummanteln Sie eine Streichholzschachtel mit Alufolie und verschenken Sie diese als mobile Kondom-Schatulle. Sollte das Geschenk nicht ankommen, weil der Typ keine Freundin hat, dann versprechen Sie ihm, ihm bald eine heiße Frau vorzustellen.

Vorsicht: Wenn Sie sich selbst mit Bastelarbeiten schwer tun, dann kleben Sie einfach ein Porno-Bildchen auf. Männer legen Wert auf ein faltenfreies Auftragen des Fotos.

  1. Schließen Sie sich für ein paar Wochen daheim ein und kappen Sie alle Leitungsverbindungen mit der Außenwelt.

Wenn Sie Anfang Februar wieder in Erscheinung treten, wird niemand mehr nach einem fehlenden Weihnachtsgeschenk fragen.

Vorsicht: Zum einen sollten Sie genug Vorräte angesammelt haben, nachts auf Beleuchtung in der Wohnung verzichten oder permanent die Rollläden geschlossen halten. Sie werden natürlich nichts verschenken müssen, bekommen jedoch auch keine Geschenke im Gegenzug.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern  meines Blogs (und auch den wenigen restlichen Menschen auf der Welt) ein besinnliches Weihnachtsfest mit wunderschönen Momenten der Freude!

Besinnlicher Kaufrausch

Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit in der man die Geschenke für seine Lieben besorgt.

Vorbei ist allerdings die Zeit, wo man in leuchtende Kinderaugen blickte, wenn diese eine Tafel Schokolade, oder ein Buch oder ein Holzspielzeug bekamen.

Auch die Holde daheim strahlt nicht vor Freude, wenn sie mit einem Paar warmer Wollsocken bedacht wird. Selbst verbunden mit dem liebevollen Gedanken, ihr in den kalten Wintertagen für warme Füße zu sorgen.

„Welche kalten Wintertage?“, wird sich der Ein oder Andere fragen und wenn diese auch in der Neuzeit kaum noch vorzufinden sind, so ist dann das Geschenk doch für den nasskalten Frühling oder Sommer bestens geeignet. Doch das zählt an Heilig Abend leider nicht.

Aber auch uns Männern reicht eine Unterhose als Gabe nicht mehr aus, um uns zu erfreuen. Selbst ein Schal aus biologisch angebauter Schafwolle, mit 20 Prozent Garn aus Lamafell, produziert keine Glückshormone mehr.

Schenken wird zu einer Tortur, wenn die zu beschenkende Person entweder bereits alles hat, keine besonderen Wünsche oder Interessen vorweist und alles was vielleicht Freude bereiten würde, in einer Preisklasse liegt, die einem selbst keine finanzielle Freude mehr bereitet.

Wohl dem, der bereits alle Artikel für den Gabentisch besorgt hat und sich dafür nicht verschulden musste.

Dass es noch genug Leute gibt, die trotz Weihnachtswerbungspenetration immer noch fernab dieses Zieles sind, erfahren wir an jedem Adventswochenende, wenn wir wieder in den Nachrichten hören, dass der Handel zwar einen Zuwachs bei den Verkäufen erzielen konnte, man aber noch nicht zufrieden mit dem Gesamtergebnis ist. (War er das überhaupt schon einmal?)

So – ich will Sie dann mal nicht länger von Ihren Besorgungen abhalten.

Viel Erfolg dabei!

Moderne Leichenfledderei

Es war einmal ein 1903 gegründetes Elektro-Unternehmen namens Telefunken – übrigens auch Erfinder unseres PAL-TV-Systems und maßgeblich an der Entwicklung des modernen Instrumenten Landesystem (ILS) für Flugzeuge beteiligt. Auch die ersten Radarfallen stammten aus dem Hause.

Doch wenn Sie heute ein Gerät mit diesem Markennamen Telefunken kaufen ist das so, als würden Sie sich beim nächstgelegenen Dönerladen einen Pfälzer Saumagen kaufen.

Den Grund erfahren Sie aus einer interessanten Historie (und ich hoffe, Sie haben etwas Zeit zum Lesen mitgebracht):

Telefunken gründete 1950 auch die Teldec und war damit einer der größten deutschen Unternehmen der Schallplatten-Industrie. Bis 1987 die Amerikaner mit Time Warner kamen und damit war das Unternehmen kaputt. Ob die Deutsche Bank oder Goldman Sachs einen Anteil daran hatten, darüber weiß ich nichts – würde jedoch naheliegen.

Telefunken fusionierte 1967 mit der AEG zu AEG-Telefunken

Ab da wurde es richtig chaotisch und ich will Ihnen nur die Unternehmensnamen aufführen, die im Rahmen der Zerlegung des Unternehmens eine Rolle spielten.

Thomson-Brand

Daimler-Benz

Deutsche Aero Space (DASA)

Matra

Nortel

Nokia

Amtel

Tejas Silicon Germany

Jeder Hai biss sich ein Stückchen aus dem Fisch namens Telefunken heraus.

Die einstige Mutter – die AEG – wurde 1996 aus dem Handelsregister gelöscht.

Bereits 1995 ging das restliche Firmenvermögen von Telefunken durch Daimler Benz an eine EHG Electroholding.

Doch der Tod des Unternehmens bedeutet nicht das Ende des Namens, der weiterhin in rund 50 Ländern vertreten ist!

Daimler-Benz verkaufte die Namensrechte an Thomson und die wiederum unter anderem an ein türkisches Unternehmen, welches Fernseher unter dem Namen Telefunken vertreibt. Die haben aber das auch schon wieder an ein anderes türkisches Unternehmen namens Vestel die Rechte weitergeleitet.

Den Namen Telefunken für andere Produkte vertickte man an die Live Holding AG in Berlin. Bei dieser kann man nun den Namen Telefunken in Lizenz erwerben. Dadurch gibt es in Amerika Mikrofone mit dem Namen Telefunken, bei VW Entertainmentcenter, oder sogar Solaranlagen mit diesem Namen.

Was diese grober Übersicht verdeutlicht:

Mit dem Tod dieses Unternehmens haben sich viele Manager und Anleger eine goldene Nase verdient. Noch heute verdienen einige damit Kohle, weil die Marke bei vielen Menschen immer noch alte Erinnerungen an Qualität und Innovation weckt.

Erst wurde Telefunken veräppelt und heute werden es wir!

Bewerbungen heute

Als ich mich als junger Mann für einen Ausbildungsplatz beworben habe, verlief das so:

Mein Vater brachte jeden Freitag die „Frankfurter Rundschau“ mit und ich sah mir die Stellenanzeigen an.

Dann wurde der Lebenslauf mit der Hand geschrieben – das Anschreiben selbst, das durfte ich schon auf einer elektrischen Schreibmaschine anfertigen, weil wir ein solches technisches Wunderwerk daheim besaßen. Die Zeugnisse konnte mir mein Vater in seinem Büro kopieren.

In der modernen Welt sitzt ein Elternteil am Computer und erfasst die Daten beim jeweiligen Anbieter eines Ausbildungsplatzes. Der Nachwuchs hat sich missmutig mit seinem Handy daneben gesetzt und gelegentliche elterliche Fragen werden mit Lauten wie: „hm-hm“ – oder „n-n“ beantwortet. Maximale Satzformulierungen sind: „….mir aus“ oder „Jetzt chill ma!“ oder „weiß nicht“

In der nächsten Entwicklungsstufe empfehle ich die Begleitung der künftigen Rentenzahler zum jeweiligen Vorstellungsgespräch, damit es nicht zu folgendem Gesprächsszenario kommt:

„Sie wollen bei uns anfangen?“

„….mir aus“

„Wie stellen Sie sich denn den Ausbildungsplatz und Ihre Entwicklung vor?“

„weiß nicht“

„Das macht jetzt nicht den Eindruck als wollten Sie bei uns anfangen oder hätten sich über den Berufsweg informiert?“

Bevor nun ein „Jetzt chill ma!“ ertönt, könnte hier spontan der begleitende Elternteil das Wort übernehmen und schildern, was er sich als berufliche Zukunft für den Sohn/die Tochter vorstellt.

Wenn dann seitens Eltern die berufsbegleitende Unterstützung zugesichert wurde, steht dann dem Eignungstest nichts mehr im Wege.

Für was, ist doch ohnehin egal!