Der moderne Goldesel

Wieder einmal ist mir danach, eine Geschichte zu erzählen, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Es war einmal vor langer Zeit…

… wenn Menschen fleißig waren konnten sie viel Geld verdienen und bekamen dafür sogar unbefristete Arbeitsverträge. Wer damals nicht zu viel Geld benötigte, Der/Die brachte das Geld zu einer Bank bzw. Sparkasse oder einer Versicherung. Diese Institute waren darüber sehr froh, denn mit dem Geld der Sparer konnten sie große Projekte finanzieren oder Geld einfach nur verleihen. Der Sparer bekam viel Geld als Belohnung für seine Sparsamkeit und der Kreditnehmer musste satte Schuldzinsen zahlen, denn die Verleiher wollten natürlich auch etwas verdienen. Einen Kredit aufzunehmen lohnte sich einst daher nur im dringenden Fällen, beispielweise beim Bau eines Hauses.

So lebten Sparer und Kreditnehmer einträchtig mit den Geldinstituten zusammen.

Inzwischen holen sich die Banken nicht mehr mühselig Geld von Sparern. Das geht viel einfacher, bei der EZB. Da die Europäische Zentralbank für das Leihen nicht einmal mehr Geld verlangt, ist das nicht nur extrem praktisch sondern auch günstig. Günstig sind dadurch auch die Kredite und es gibt kaum noch etwas, was nicht auf Pump gekauft werden kann.

Was passiert, wenn ein Kunde den Kredit nicht mehr zurückzahlen kann, möchten Sie wissen? Dann wir eben ein Kredit für den Kredit aufgenommen und wenn irgendwann nichts mehr geht, dann ist das auch nicht schlimm. Die Banken wenden sich dann erneut an die EZB und aus einem Rettungsfond werden die Verbindlichkeiten beglichen.

Jetzt gibt es immer noch so bornierte Menschen, die mehr Geld einnehmen als ausgeben und die ihre Überschüsse nicht auf dem Aktienmarkt einbringen wollen.

Damit diese unangenehmen Sparer endgültig damit aufhören, die Banken mit ihrem Geld zu behelligen, werden diese in Bälde mit einem Strafzins belegt. Denn Geld anzunehmen und Tresore zu führen, in denen man das Bargeld einlagert, das kostet. Zeit also, dass der Sparer diesen Aufwand selbst trägt.

Was erwartet uns in naher Zukunft?

Kriminelle werden wieder häufig in den Wohnungen sogenannte Sparstrümpfe mit Bargeld entdecken. Doch wozu diese mitnehmen? Auf ein teures Sparbuch legen? Damit in den Supermarkt oder zum Aktienhändler gehen?

Vermutlich stehen dort bereits Warntafeln mit der Aufschrift: „Wir nehmen kein Bargeld und keine Kreditkarten mehr an. Zahlung erfolgt durch Abschluss eines Kredits. Der Aufwand hierfür beträgt nur wenige Sekunden!“

Schufa-Mitarbeiter und Einbrecher sind eindeutig Jobs ohne Zukunftsperspektiven.

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Und es war Sommer

Es war einmal….

vor ziemlich langer Zeit. Da lief ich als kleiner Steppke in der ersten Schulpause zum Thermometer, um dort nachzusehen, wie hoch denn die Wahrscheinlichkeit sein würde, Hitzefrei zu bekommen. Das war Mathematik in praktizierender Form.

Denn bei meinen einstigen Wahrscheinlichkeitsberechnungen ging es darum, dass bis um 10 Uhr eine Außentemperatur von 25 Grad vorliegen musste. Wohlgemerkt: das waren echte 10 Uhr, weil es damals nur vier Jahreszeiten gab und nicht noch Sommer- wie auch Winterzeit.

Einst waren solche Freizeiten durch Hitze, noch seltener im Monat, als stündliche Preisschwankungen, aktuell bei den Tankstellen.

Heutzutage steht in den Sommermonaten ein Schulkind aus NRW bei 25 Grad am Morgen auf und denkt sich: „Ganz schön frisch heute!“ Kinder aus dem Osten Deutschlands können den Song „I’m singing in the rain“ aus dem Englischen übersetzen, vielleicht sogar dazu steppen, doch wie das ist, wenn Wasser von oben tropft, das wissen sie nicht mehr.

Niederschlag erlebte drei Stufen der Entwicklung:

Als Kind war ich sauer, wenn er fiel. Dann war der Regen selbst sauer und jetzt sind die Landwirte sauer, weil keiner in Sicht ist.

Jungen Menschen empfehle ich den Beruf des Feuerwehrmannes respektive der Feuerwehrfrau. Das sind Jobs mit kriesensicherer Zukunft. Zumindest, so lange es noch etwas zum Brennen und damit zum Löschen gibt.

Bleiben Sie schön cool die nächsten Tage!

Perspektivwechsel

Wir kennen es: der Radfahrer kann den Autofahrer nicht ab und der wiederum schätzt Radler so sehr, wie eine Fußpilz Erkrankung. Neu in diese Riege kommt nun der eScooter-Nutzer, der von Fußgängern und Rad- sowie Autofahrer*innen gleichermaßen gehasst werden wird. Auch diese Klientel wird diese Gefühle gleichermaßen erwidern können.

Insofern dürfte es Sie nicht weiter verwundern, dass mir, als passioniertem Fahrrad-Nutzer, die eBike-Besitzer stets nur ein geringschätziges Lächeln verschafften. Das waren für mich Weicheier, die nur so tun als wären sie sportlich, lassen aber einen Motor für sich arbeiten. Ehrlicher wäre da die Nutzung eines Tandem, wo man sich diskret zurückhalten und den Partner bzw. die Partnerin strampeln lassen kann. Auch Jemand auf einem Mofa erschien mir eindeutig die ehrlichere Haut zu sein. Da zeigte sich eindeutig: „Ich lasse arbeiten und bin mit Lautstärke sowie Abgasen omnipräsent unterwegs!“

Kein leises Anschleichen, mit Akkus, die in Asien für schlechten Lohn und unter schlechten Bedingen produziert wurden. Mit Strom betankt, der auch auch seinen mehr oder weniger großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Gestern musste ich mein Leihfahrrad wieder abgeben, denn die Heimreise aus der Reha steht kurz bevor und ich habe hier schon ein kleines Vermögen beim Verleihservice gelassen.

„Magst Du mein eBike nutzen? Ich brauche es derzeit nicht.“

Als klar war, dass ich für diese Offerte eines Mitpatienten nichts zahlen musste, da sagte ich „Ja!“ und skeptisch aber zugleich auch neugierig, wollte ich mal sehen, wie so ein 2-Rad-Rollator funktioniert. Ich startete eine kleine Runde und was soll ich sagen:

„Es war einfach geil!“

20 Kilometer später kam ich von meinem kurzen Check zurück. Ich hatte mich angenehm belastet, aber eben nicht bis zur Schmerzgrenze. Der Gegenwind konnte mich mal und die Steigungen erst recht. Plötzlich traten mögliche Touren in Reichweite, die bisher und auf Grund ihrer Entfernung aber auch meiner mangelnden Kondition ausschieden.

Ich möchte unbedingt auf so ein Gefährt umsteigen, sehe allerdings ein entscheidendes Problem dafür: Woher nehme ich die Kohle?

Doch jetzt erst einmal kann ich am Montag meine Therapeutin erfreuen: erneut habe ich eine Schublade meines Denkens geöffnet und Vorurteile daraus entfernt. Das verschafft mir zwar kein eBike aber neue mentale Perspektiven.

Die Vergangenheit ist Jetzt

Vor vielen Jahrzehnten, als Deutschland noch in BRD und DDR gesplittet war, bin ich ein paarmal hinter dem Eisernen Vorhang gewesen. Auffällig damals: es gab auch für den Ostdeutschen die Möglichkeit, in speziellen Geschäften, westliche Produkte einzukaufen.

Beispielsweise eine Tafel Schokolade in dieser quadratisch praktischen Verpackung, war für D-Mark oder für extrem viel Ostmark zu erhalten.

Der Zufall wollte es, dass ich mich derzeit in Thüringen aufhalte. Noch zufälliger ist der Umstand, dass es in der Nähe meiner Reha-Klinik für mental geblockte Blogger, eine Chocolaterie mit Werksverkauf gibt.

WERKSVERKAUF!!! Bei diesen Wort schon kriege ich Schnapp-Atmung. Genauer gesagt: Schnäppchen-Atmung!

Ich also in das kleine Örtchen geradelt, denn ich möchte natürlich anschließend ohne Reue sündigen dürfen. Zwei 100-Gramm-Tafeln, die mir aus dem Regal zuriefen: „Nimm uns, wir sind besonders lecker!“ Dazu noch ein kleines Gläschen mit einem Brotaufstrich. Die Größe des Behältnis erinnerte an einen Parfum-Flakon. Der Preis dann kurz darauf auch. Für die drei Artikel war ich fast 24 Euro los.

Das war Werksverkauf? Was kosten denn die Produkte im regulären Handel?

In meiner Reha-Zelle angekommen, gönnte ich mir gleich ein paar Gramm von den beiden Tafeln, in dem Bewusstsein, dass soeben mehr als zwei Euro in meinem Mund geschmolzen waren.

Und dann kam er, der Gedanke, wie es früher für den Ostdeutschen gewesen sein muss, wenn so ein Vermögen mit einer Rippe des sportlichen Ritters, oder was auch immer für ein Schoko-Produkt, durch die Kehle in den Körper verschwand.

Authentischer lässt sich dieses alte Ost-Gefühl wohl kaum erleben. Heute eben, mit eigenen Produkten, die den Gaumen jubeln und das Blut in den Adern, beim Zahlvorgang, heftig pulsieren lassen.

Krankes Zeug

Kennen Sie das alte Märchen „Von Einem der auszog, dass Fürchten zu lernen!“?

Ich erlebe aktuell die moderne Variante und dir ist alles andere als märchenhaft.

Meine Reha startete ich erschöpft, jedoch scheinbar gesund. Sie sollte dem einfachen Zweck dienen, mich für weitere Jahre durch irgendwelche Arbeitgeber so richtig ausbeuten lassen zu können. Der moderne Arbeitnehmer, mit Zeitverträgen muss sich nämlich der indianischen Tugenden bedienen und keinen Schmerz kennen.

Gleich zu Beginn die Diagnose: mein Puls ist zu hoch. Das war mir an sich nichts neues. Der diastolische Wert beim Blutdruck sei ebenfalls zu hoch. Dies war mir tatsächlich neu, doch da ich kaum noch Dias habe und auch einer apostolischen Kirche angehöre, war mir dieser Befund ziemlich egal.

Wenige Tage später…

Wandern durch die herrliche Natur ist bekanntlich gesund sowie gut für Geist und Seele. Unbekanntlich kann es für die Füße für die Füße sein, wenn man (so wie ich) sich des Panoramas ergötzt, statt auf den Weg zu achten. Schon waren die Bänder durch einen Stolperer gezerrt.

Wieder kam der Indianer in mir durch. Vielleicht aber war es auch nur das Alter. Ich befinde mich in einer Lebensphase, wo es völlig natürlich ist, dass es heute Mal da zwickt und morgen an einer anderen Stelle, um an Tag Drei an beiden Bereichen zu schmerzen. Erst als ich nicht mehr richtig in die Wanderschuhe kam, meldete ich daher mein Problem der Stationsärztin. Die wiederun verwies mich an die örtliche Klinik.

Mir war klar, dass es sich nur um eine Zerrung handelte, doch als fügsamer Deutscher befolgte ich die Anweisung. Natürlich war ich nicht überrascht, dass die Diagnose mit meinen Vorahnungen übereinstimmte.

Erleichtert wollte ich aufstehen und davon humpeln. Fragt mich der Arzt nach meinem Alter, ich antworte artig und blicke dann in ein mitleidvolles Gesicht.

„Fast 58 sind Sie?“

Ja, ich weiß, ich sehe jünger aus und fühle mich noch ein Stückchen mehr davon.

„Tja, Ihre Gefäße entsprechen aber nicht dem Alter!“

Was denn für Gefäße? Ist das thüringischer Dialekt und bedeutet Füße? Ich sag doch: ich sehe jünger aus und bestimmt auch unten herum!

Leider riss mich der Arzt aus meinen Gedanken und das recht unsanft.

„Die Blutgefäße zeigen massive Kalkablagerunge, die unüblich für Ihr Alter sind. Bitte suchen Sie nach der Reha unbedingt Ihren Hausarzt auf und lassen Sie sich eine Überweisung zu einem Gefäßspezialisten geben!“

Mit diesen Worten und guten Wünschen entließ mich der Doktor für den Rückweg in meine Reha-Klinik.

Mal abgesehen davon, dass ich mir vorkomme wie ein altes Leitungssystem, an dem man an einer Stelle abdichtet und es dafür anbei einer anderen Stelle umso stärker leckt: Danke, liebes Universum, dass Du meinen Wunsch nach Alleinstellungsmerkmalen auf diese makabre Weise erfüllst! 👻