Perspektivwechsel

Wir kennen es: der Radfahrer kann den Autofahrer nicht ab und der wiederum schätzt Radler so sehr, wie eine Fußpilz Erkrankung. Neu in diese Riege kommt nun der eScooter-Nutzer, der von Fußgängern und Rad- sowie Autofahrer*innen gleichermaßen gehasst werden wird. Auch diese Klientel wird diese Gefühle gleichermaßen erwidern können.

Insofern dürfte es Sie nicht weiter verwundern, dass mir, als passioniertem Fahrrad-Nutzer, die eBike-Besitzer stets nur ein geringschätziges Lächeln verschafften. Das waren für mich Weicheier, die nur so tun als wären sie sportlich, lassen aber einen Motor für sich arbeiten. Ehrlicher wäre da die Nutzung eines Tandem, wo man sich diskret zurückhalten und den Partner bzw. die Partnerin strampeln lassen kann. Auch Jemand auf einem Mofa erschien mir eindeutig die ehrlichere Haut zu sein. Da zeigte sich eindeutig: „Ich lasse arbeiten und bin mit Lautstärke sowie Abgasen omnipräsent unterwegs!“

Kein leises Anschleichen, mit Akkus, die in Asien für schlechten Lohn und unter schlechten Bedingen produziert wurden. Mit Strom betankt, der auch auch seinen mehr oder weniger großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Gestern musste ich mein Leihfahrrad wieder abgeben, denn die Heimreise aus der Reha steht kurz bevor und ich habe hier schon ein kleines Vermögen beim Verleihservice gelassen.

„Magst Du mein eBike nutzen? Ich brauche es derzeit nicht.“

Als klar war, dass ich für diese Offerte eines Mitpatienten nichts zahlen musste, da sagte ich „Ja!“ und skeptisch aber zugleich auch neugierig, wollte ich mal sehen, wie so ein 2-Rad-Rollator funktioniert. Ich startete eine kleine Runde und was soll ich sagen:

„Es war einfach geil!“

20 Kilometer später kam ich von meinem kurzen Check zurück. Ich hatte mich angenehm belastet, aber eben nicht bis zur Schmerzgrenze. Der Gegenwind konnte mich mal und die Steigungen erst recht. Plötzlich traten mögliche Touren in Reichweite, die bisher und auf Grund ihrer Entfernung aber auch meiner mangelnden Kondition ausschieden.

Ich möchte unbedingt auf so ein Gefährt umsteigen, sehe allerdings ein entscheidendes Problem dafür: Woher nehme ich die Kohle?

Doch jetzt erst einmal kann ich am Montag meine Therapeutin erfreuen: erneut habe ich eine Schublade meines Denkens geöffnet und Vorurteile daraus entfernt. Das verschafft mir zwar kein eBike aber neue mentale Perspektiven.

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