Dünkel um Dinkel

Dinkel wird gerne als ursprünglich und gesund beworben. Zudem ist dieser viel besser zu verdauen als der in Kritik stehende Weizen.

Jetzt musste ich erfahren, dass es überhaupt kein Ur-Dinkel gibt, sondern das Getreide sogar ein enger Verwandter des Weizens ist und es hier auch noch unzählige genetische Kreuzungen miteinander gibt.

Des Rätsels Lösung, so die Forscher: Teigwaren die mit Dinkel zubereitet werden, benötigen eine längere Zubereitungszeit. Hier kann nicht durch chemische Zusätze die Reifung beschleunigt werden. Dadurch werden beispielsweise Dinkel-Brötchen nicht nur teurer sondern auch bekömmlicher.

Im Grunde ist also nicht der Weizen das Problem, sondern die Art der heutigen, meist industriellen, Zubereitung.

Okay – einem Vorwurf kann sich dieses Getreide nicht entziehen: wäre es heikler, wie der Dinkel, würde es nicht die Möglichkeit geben, Fastfood-Teigwaren zu produzieren!

🤪

Die Kunst der korrekten Diagnose

Wer zu einem Arzt geht, muss häufig einen Hang zu devotem Denken haben. Manchmal werde ich auch das Gefühl nicht los, dass wegen des Numerus Klausus nicht immer die Menschen Ärzte geworden sind, die es aus tiefster Überzeugung wollen, sondern Die, die es einfach einfach konnten, weil sie einen guten Notenschnitt aufwiesen.

Als Jugendlicher hatte ich beispielsweise heftige Bauchschmerzen. Ich war zweimal beim Arzt und der meinte zweimal: „Das sind Wachstumsschmerzen“

Ich müsste heute über 2 Meter groß sein, wenn diese Diagnose richtig gewesen wäre. Ich gab nach dem zweiten Besuch mich meinem Schicksal hin. Ich ertrug die Schmerzen, und wurde trotzdem nur 1,74 groß. Ein paar Jahre später stellte man fest, dass Magen wie auch 12-Fingerdarm total vernarbt waren. Ich hatte wohl reichlich Magengeschwüre gehabt.

Zurück in die nahe Vergangenheit….

Neulich Blutwerte untersucht. „Ihre Leberwerte sind schlecht. Sind Sie Trinker?“ Diese Frage an einen Menschen, dessen letzter Kasten Limobier zum Teil weggeschüttet werden musste, weil das Produkt schon längere Zeit abgelaufen war.

Ich natürlich trotzdem etwas nervös. Da meinte die nächste Ärztin in der Reha, als ich nach 3 Wochen noch einen Bluttest wollte: „Das war ja nur eine leichte Abweichung. Kein Grund zur Beunruhigung. Testen Sie den Wert nochmal eine Weile nach der Reha!“

Gut, dass wir darüber gesprochen haben!

Nächstes Szenario: während der Reha war ich beim Wandern umgeknickt. Der Fuss musste geröntgt werden. Meinte der behandelnde Arzt im Krankenhaus: „Ihre Gefäße sind verkalkt wie bei einem Greis. Sie müssen unbedingt einen Angiologen nach der Reha aufsuchen!“

Heute der Termin. Mit einer Art Blutdruckmessung an Handgelenk und Fußfesseln wurde geprüft, ob was ankommt und das tat es. Dann noch mit Ultraschall die Hauptschlagadern bis zu den Kniekehlen gecheckt, dann hieß es: „Ablagerungen ja, aber nichts gravierendes!“

„Warum hat man in der Klinik in Bad Frankenhausen etwas anderes diagnostiziert und wieso schmerzen und pochen meine Waden so?“, war meine Frage aber offenbar die Zeit auch abgelaufen.

„Das kann ich Ihnen nicht sagen!“, kam es knapp von der Ärztin zurück.

Kurz vorher hatte ich übrigens die Assistentin gefragt, ob man Verkalkungen auf Röntgenbildern sehen könnte. „Ja, sie müssen dann allerdings ausgeprägt sein.“

Also wohl fühle ich mich jetzt nicht wirklich.

Übrigens: Doet an dem Tresen meinte ich beiläufig, dass man hier wohl auch Herzultraschall durchführt und ich hätte dafür dann keinen Termin bei einem anderen Arzt im September ausmachen müssen.

„Ja, machen wir. Aber das ist eine andere Anwendung und da wir pro Patient im Quartal nur eine Untersuchung durchführen, wäre dann vor Oktober kein Termin möglich.“

Hier habe ich, mehr aus Versehen, doch alles richtig gemacht.

Und weil es so schön ist und Sie gerade am Lesen sind, noch eine Story zum Abschluss:

Anfang des Jahres hatte man beim Urologen eine Zyste am linken Samenstrang festgestellt.

„Wir warten erst einmal ob sie größer wird. Kommen Sie in drei Monaten nochmals zur Untersuchung.“

Das tat ich dann auch drei Monate später.

„Die Zyste ist größer geworden, aber OP noch nicht zwingend. Warten wir bis nach Ihrer Reha ab.“

Heute kam ich folgsam zu einer erneuten Untersuchung und teilte dem Arzt mit, dass ein leichter Schmerz auf der linken Seite generell wäre und der Druckschmerz noch stärker.

Raten Sie mal was der Urlologe nach der Untersuchung meinte? Sie liegen richtig wenn Sie folgendes getippt haben:

„Herr Bönsch, die Zyste ist zwar wieder ein Stück größer geworden, aber zu klein für eine OP. Warten wir einmal bis zum November ab und schauen dann nochmal nach.

Da wird dieses nervige Etwas vermutlich nochmals gewachsen sein, aber in der Vorweihnachtszeit ist so eine OP auch nicht schicklich.

Ich bin kein Freund von vorschnellen Eingriffen, aber wenn etwas wächst, und wenn auch langsam, und schmerzt, Tendenz steigend, dann fühle ich mich nicht wirklich wohl dabei, viermal im Jahr ein Wartezimmer mit mir zu belegen.

Dabei gibt es zudem den berühmten Spruch, gerade auf den Unterleib des Mannes bezogen: Auf die Größe kommt es nicht an!

🤣

Selters ist auch nur Wasser

Gleich vorweg der Hinweis: es werden in diesem Beitrag einige Produkte und deren Markennamen genannt. Da ich von keinem der Hersteller oder den dahinterstehenden Konzern finanzielle Unterstützung erhalte, ist das nicht als Werbung anzusehen sondern ergibt sich einfach aus dem Kontext der Geschichte, die ich berichten werde.

Letztes Wochenende war ich mit meiner Frau in Selters an der Lahn. Also dort, wo das bekannte Mineralwasser herkommt (wie auch diverse andere Wässerchen, aus umliegenden Quellen).

Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meiner Jugend.

Da meine Eltern sparsam waren, gab es einst bei uns nur Glasflaschenware, die wir in einem Supermarkt in der Nähe kauften. Die Zutaten darin: Wasser und Kohlensäure, vielleicht auch noch Spuren von irgendwelchen Minrralien. Das aber war dann rein zufällig.

Wie gerne fuhr ich mit der Familie zur Verwandtschaft, bestand dort doch die Chance „Wasser mit Geschmack“ zu bekommen. Das war dann meist Sprudel mit Orangen- oder Zitronengeschmack. Bluna oder Fanta, ein kulinarischer Höhepunkt, gab es nur in Gaststätten.

So fragte mich eines Tages mein Großvater: „Bub, was magst Du denn trinken?“

Ich antwortete höflich mit der Gegenfrage: „Was hast Du denn da, Opa?“

„Einiges!“, meinte er und fügte bei: „Magst Du ein Selters?“

Das klang gut. Ich sagte ja und staunte nicht schlecht, als kurz darauf ein Glas mit schnödem Mineralwasser vor mir stand. Opa bemerkte wohl meinen enttäuschten Blick und meinte mit wohlwollendem Unterton: „Das ist sogar echtes Selterswasser!“

So lernte ich, das Selters ein Wasser war und kurz darauf auch den Umstand, dass man in meinem familiären Umfeld bald jede Form von Sprudelwasser den Titel „Selters“ gab. So, wie die Frage nach einem Papiertaschentuch lautete: „Hast Du Mal ein Tempo für mich?“

Einmal jedoch lernte ich ein Selters mit Geschmack kennen. Diese war allerdings nicht fruchtig, sondern eklig bitter. Lag wohl daran, dass man dieses Aroma mit einer Tablette selbst machen konnte. Es nannte sich Alka-Selters und war gegen Kopfschmerzen. Es sollte wieder eine Weile vergehen, bis ich meinen Irrtum bemerkte. Das Zeug hieß Alka-Seltzer.

So befand ich mich also letztes Wochenende in dem Ort, an dem Kindheitserinnerungen verknüpft waren. Diesmal sollten bessere Erinnerungen folgen. Statt nämlich Wasser auf einem Fest in Weinheim, tranken wir reichlich Wein in Selters und trotz des hohen Konsums benötigen wir am nächsten Tag kein Alka-Dingsbums oder eine andere Kopfschmerztablette.

Ich rate übrigens davon ab, noch in ein paar Jahren ein Mineralwasser aus der Selters-Gegend zu kaufen. Ist mir echt peinlich, aber als ich mit dem Hund eine größere Tour unternommen habe, musste ich dringend Pipi machen und das tat ich dann auch ins Gebüsch. Leider waren meine Recherchen erfolglos, wie lange es braucht, bis mein persönliches „Mineralwasser“ durch das Gestein in der Tiefe angelangt ist, wo abgepumpt und anschließend abgefüllt wird. Bis dahin dürfte es allerdings weitgehend gereinigt sein.

Aber einfach vorsorglich, um ihnen geschmacklichen Frust vorzuenthalten, so wie ich ihn einst bei meinem Opa hatte: Trinken Sie bitte ab dem Jahr 2025 kein Wasser mehr aus den Selters-Quellen. 👻

Wunder der Natur

Ich hatte schon immer wieder Mal von dem Gerücht gehört, dass sich manche Likörsorten auf natürliche Weise herstellen lassen und nicht nur durch herkömmliche Destillation bzw. Brennerei.

Hier nun der Beweis und ein klares Indiz für die Klimaerwärmung, dass mittlerweile auch im Süden Europas heimische Kräuterschnapse in unseren Breitengraden wachsen können. Habe nämlich durch Zufall den seltenen Strauch mit italienischen Wurzeln entdeckt: den ficus ramazzoti

Senioren-Triatlon

Es gibt bekanntlich die weit verbreitete Meinung, dass reifere Menschen in eine Lethargie aus Langweile verfallen. Wiederum andere Personen in weniger fortgeschrittenem Alter amüsieren sich darüber, dass gerade Rentner wenig Zeit haben. Klar, dieser Personenkreis hat nicht mehr die Möglichkeit, Mal einfach einen Tag Urlaub zu nehmen oder Zeitguthaben für einen Gleittag zu nutzen.

Alles Quatsch, denn ein Senior bzw. eine Seniorin kennt keinen Leerlauf, denn man ist sportlich unterwegs.

So nehme ich beispielsweise am Montag bei einem Triathlon teil:

Vormittag geht’s nach Mainz zu einem Date mit einem Sozialberater. Mittags dann zwei Stunden lang Untersuchungen bei einem Gefäß-Spezialisten in Rüsselsheim. Um 17 Uhr erwartet mich dann in Hochheim der Urologe und der wird mir, nach dem nunmehr dritten Check in diesem Jahr, wohl eine OP empfehlen.

Einzig einen gravierenden Unterschied gibt es zu einer regulär tätigen Person: ich werde um meine Aktivitäten beneidet, denn Termine sind Mangelware. Ich überlege schon, ob ich einen Termin für ein Hirn-MRT zu vereinbaren. Im Moment geht es mir (mal das Gedankliche ausgeklammert) rechr gut unter der Schädeldecke, doch wer weiß: vielleicht bin ich nächstes Jahr froh, ihn zu haben. Wenn nicht, kann ich diesen über eBay versteigern.

Da fällt mir ein: die nächste vorsorgliche Darmspiegelung steht an. Hier muss ich unbedingt einen Termin vereinbaren. Ist zwar erst im Sommer 2021 fällig, aber nicht, dass die Praxis jetzt schon ausgebucht ist.

👻

NachdenklICHes – Finales Kapitel

Hier kommt es nun – viel später als angekündigt – das Zusatzkapitel zu meinen vorangegangenen drei Parts.

Es gibt immer wieder das Phänomen, dass manche Menschen mehr Päckchen in ihrem Leben zu tragen haben als Andere. Einige davon müssten mit Nachname Hermes heißen (ginge auch jeder andere Paketdienst, doch beispielsweise Hans Hermes klingt realistischer als Dieter DHL). Und doch sind manchmal gerade diese Menschen mit einer phänomenalen Unverdrossenheit bzw. Optimismus ausgestartet, die/den ich bewundere.

Die Mutter meines besten Freundes aus Schulzeiten, die war so ein Mensch. Recht früh verlor sie ihre erste Tochter. Diese war kaum mehr als 20 Jahre alt, als sie sich das Leben nahm. Das zweite Mädchen erkrankte an MS. Der körperliche Zerfall zog sich über mehr als 20 Jahre hin. Die Letzten dann nur noch im Bett liegend und als einziges Kommunikationsmittel blieb: blinzeln mit den Augen.

Was gibt es schlimmeres für eine Mutter, wie ihre Kinder so leiden und sterben zu sehen. Dazu noch Scheidung vom langjährigen Ehemann und der verbliebene Sohn hat auch seine gesundheitlichen und nicht gerade fürs Leben ungefährlichen Probleme.

Als ob das alles nicht an Schicksal gereicht hätte, musste U. auch noch, über Jahrzehnte hinweg, mehrmals die Woche von Taunusstein nach Wiesbaden in die Klinik, zur Dialyse. Grund dafür: kaputte Nieren und zu alt für ein Spenderorgan. Unkaputtbar und bewundernswert optimistisch ging Sie jedoch durch ihr Leben.

Sie lernte einen Mann kennen, zog mit ihm zusammen und heiratete erneut. Noch in den Flitterwochen fing er an zu husten. Als die vermeintliche Erkältung nicht besser wurde, konsultierte Er einen Arzt und war wenige Monate später tot. Lungenkrebs die Ursache dafür!

Das wäre dann nun wohl der Zeitpunkt gewesen, wo viele andere Menschen gesagt hätten: „Es reicht – ich mache jetzt Schluss mit diesem elenden Leben, als lebendes Elend!“

Doch auch jetzt noch war U. eine Kämpfernatur und so positiv eingestellt, dass sie erneut einen Partner fand und mit diesem einige Jahre verbrachte, bevor Sie dann ihren zwei Mädchen ins Jenseits folgte. Trotz all dieser Schicksalsschläge blieb U. tapfer und optimistisch genug, ihrem Leben eine Chance zu geben, es trotz der eingeschränkten Möglichkeiten lebenswert zu gestalten und sich immer wieder ihr kleines Glück zu gönnen. Dafür hat besitzt sie, so lange ich lebe, meine Bewunderung und das, obwohl ich einst in ihre jüngere Tochter verliebt war und sie meinte: „Du bist der beste Freund für meinen Sohn und ich mag Dich. Aber Du bist nicht der beste Freund für meine Tochter. Das mag ich gar nicht!“ Dies war wohl dem Umstand geschuldet, dass ich mich damals noch in einer Evaluierungsphase befand und die weiblichen Testpersonen doch recht häufig wechselte. 😉

Selbst wenn das Leben wie eine abgetrocknete Zitrone zu sein scheint, holen da manche Menschen noch verdammt viel Saft raus, statt sie einfach wegwerfen.

„Ihr Alle, die Ihr kämpfen und leiden müsst: ich bewundere Euch!“

Premium Blog-Eintrag

Es wird häufig diskutiert, dass wir in der westlichen Welt einem Werteverfall unterliegen. Eines ist zweifelsfrei: in Beschreibungen diverser Produkte trifft es absolut zu!

Von einem sogenannten Premium-Fahrzeug wissen wir, dass meist nur der Anschaffungspreis und die Gagen der Vorstände sowie die Schummelsoftware diese Bezeichnung verdient.

Auch ein Premium Schwarzwälder Schinken hat häufig die genannte Region nur durch ein paar Tage der Räucherung erfahren. Das Tier stammt von irgendwo aus Europa, wurde getötet in einer Großschlachterei und dann ging ein Teil davon auf Reisen in den Südwesten Deutschlands. Den hohen Preis, den der Verbraucher nach der Veredlung zahlt, ist wohl hauptsächlich dem Kilometergeld geschuldet. Es wird zudem nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es seitens der gesetzlichen Bestimmungen völlig ausreichend ist, dass eine Führungskraft aus dem Schlachtbetrieb eine Zweitwohnung im Schwarzwald unterhält. Dann ist die Bezeichnung „Premium-Qualität aus dem Schwarzwald“ rechtlich nicht anfechtbar.

Eine weitere Dimension von Premium habe ich dieser Tage erlebt. Da wandere ich den „Premium Wanderweg Wispersteig“ ein Stück entlang. In der Tat gab es Abschnitte mir schöner Aussicht und von daher kann man das besprochene Prädikat so stehen lassen. Aber dann gab es auch solch einen Bereich:

Das sah eher nach Renaturierung aus!

So naturbelassen sollte kein Wanderweg sein, besonders dann nicht, wenn man ihn mit der Bezeichnung Premium bewirbt. Aber vielleicht sollte ich lieber keine Forderungen stellen. Sonst kommt noch jemand auf die Premium-Idee, Maut auf Wanderwegen einzuführen.

Und bevor nun die Zweifler überlegen, ob ich vielleicht vom rechten Weg abgekommen bin? Nein, es gab kurz vorher ein Schild und kurz darauf wieder. Ich war eindeutig korrekt unterwegs und die hohen Brennesseln haben (Dank kurzer Hose) meine Beine so richtig in Premium-Qualität brennen lassen. 🥴

Bildhafter Zauber oder zauberhafte Bilder

Bin gestern mit dem Hund im Wispertal (Taunus) ein paar Kilometer unterwegs gewesen und habe mal bewusst meinen Blick auf die Seitenränder des Weges gelegt. Sensationell, dieses optische Erlebnis. Ich möchte heute einmal, statt Euch Zu zu Texten, einmal Bilder sprechen lassen. Sie sind nur mit einem Mittelklasse-Handy aufgenommen worden, doch wie ich finde: einfach nur schön!

Noch schöner: man muss nicht weit gehen und nur die Augen aufhalten, um derartiges zu sehen. 😍

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Fleischliche Lust

Es gibt bekanntlich ein Lager, das jeglichen Fleischkonsum verdammt, weil es Tieren das Leben kostet und die andere extreme Klientel, für die Fleisch Religion ist.

Ich selbst gehöre zu den Schwachzehrern und zugleich auch Realitätsverleugnern, denn müsste ich ein Tier selbst schlachten, wäre ich garantiert Veganer. Am liebsten sind mir Fischstäbchen, Würstchen und ein Fleischpattie im Burger, weil man denen noch am wenigsten ansieht (und meist auch schmeckt), dass es da tierische Ursprünge gibt.

Ich finde es schlimm, dass Tiere dafür sterben müssen, um von uns verzehrt zu werden. Ich finde es noch schlimmer, dass wir nur einen Bruchteil eines Tieres verwerten und nur mit etwas Glück landen die Schlachtabfälle nicht auf einer Deponie. Noch schlimmer – also schlimmerer – ist für mich die Tatsache, dass für viele Tiere der Tod die Erlösung ist, nach einer Aufzucht unter übelsten Bedingungen bzw. beim brutalen Transport zu den Schlachthöfen.

Also ist die Idee grundsätzlich nicht schlecht, die Steuer auf 19 Prozent für Fleischprodukte heraufzusetzen, auf geringeren Verzehr zu hoffen und von den Zusatzeinnahmen das Tierwohl fördern zu wollen. Gleichzeitig sinkt der CO2-Ausstoss und wir können die Dieselfahrzeuge wieder ohne schlechtes Gewissen in die Städte fahren lassen. Eine märchenhafte Lösung!

Jedes Märchen hat jedoch ein Problem: Es ist erfunden und besitzt nur begrenzten realen Hintergrund.

Schon jetzt wird dem Konsument mit irgendwelchen Stempeln auf Waren vorgegaukelt, das sie Öko sind oder es tolle Lebensbedingungen für das Schlachtvieh gab.

Können so große Produzenten wie beispielsweise Gutfried oder die Molkerei Müller, deren Produkte von einem großen Netz aus Zutaten von Zulieferern gefertigt werden, tatsächlich garantieren, dass im Hintergrund nicht gemauschelt wird? Ich denke nicht, denn diese permanenten Kontrollen wären viel zu kostenintensiv! Da wird ein Vertrag unterschrieben, in dem man gewisse Punkte festhält, damit man damit werben kann. Doch wie der ungarische Truthahn-Lieferant dann tatsächlich seine Vögel züchtet, das ist egal, so lange der Preis stimmt.

Was passiert demnach wirklich, wenn tierische Erzeugnisse teurer werden?

Dem wohlhabenden Menschen ist es Wurst was sein Fleisch kostet. Schon jetzt verzehren manche Personen ihr Steak mit einer Gold-Platinierung, um einfach vom Billig-Image der tierischen Erzeugnisse wegzukommen. Es gibt bereits Zeitungen, die sich nur mit dem Thema Fleischzubereitung beschäftigen. Diese Ilustrationen werden wie Pilze aus dem Boden schießen und Auflagen ähnlich der von Motorsport-Magazinen erzielen, wenn Fleisch erst einmal Luxusstatus erhält. „Beef“ der „Playboy“ von Morgen?

Die armen Bürger könnten freilich auf Gemüse und Fleischersatzprodukte umsteigen, doch da die ebenfalls teuer sind, wird das nicht wirklich eine Option sein. Im Segment der Kleinverdiener wird sich am Verkaufsverhalten kaum was ändern.

Was passiert mit den Mehreinnahmen?

Einen Großteil wird erst einmal die Entwicklung der Regularien aufzehren. Dann braucht es einer Behörde, die sporadische Überwachungen durchführt. Wenn diese Inspektionen natürlich nur alle paar Jahre stattfinden und das möglichst noch mit Vorankündigung, werden die Institutionen nie Problemfälle antreffen.

Sollten die Mehreinnahmen tatsächlich bei den Züchtern landen, wäre natürlich eine Option, dass man für mehr Welleness bei den Tieren sorgt. Möglichkeit Zwei: es wird sich seitens Empfänger einfach über die Mehreinnahmen gefreut. Gute Laune hilft dann vielleicht tatsächlich ein wenig beim freundlicheren Umgang mit dem Vieh. Variante Drei: das fleischverarbeitende Unternehmen bekommt natürlich mit, dass die Züchter subventioniert werden. Höchste Zeit also, dass noch bessere Konditionen ausgehandelt werden. Wohlgemerkt: nicht für die Tiere oder die Züchter!

Sie meinen, ich sehe das gar zu negativ?

Dass die Auspreisung einer Ware sich nicht auf den Anfang einer Produktionskette auswirkt, dafür ist das beste Beispiel Apple. Bei dem hohen Preis eines iPhone oder iPad sollte man annehmen, dass die Hersteller der Bauteile die am fairtradigsten behandelten Mitarbeiter haben müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Durch die hohe Stückzahl diktiert Apple den Herstellungspreis und nur Vorstände und Aktionäre von Apple verdienen sich eine goldene Nase daran, dass der Kunde so viel Geld für sein Gerät zu zahlen bereit ist.

Wenn ich also an einer Theke ein teures Stück Fleisch kaufe und irgendein buntes Wappen klebt auf der Verpackung, ist es immer noch fraglich, ob es dem Tier vor seinem Tod gut ging oder nur dem Hersteller!

Best(?)agers

Mieses Wetter draußen und damit das geeignete Wetter für ein ebenso mieses Thema.

Ich bin ja nun vor ein paar Tagen 58 Jahre alt geworden und das heißt: seit drei Jahren kann man mich schon kaufmännisch auf 60 aufrunden.

Da gibt es nun zwei Lager. Die Industrie, die den Jugendwahn vertritt. Wir sollen uns Kosmetika kaufen, diverse Sportgeräte ebenso und Fitnesstrainer reich machen. Jung zu sein oder wenigstens zu wirken, verheißt Erfolg im Berufsleben, in der Partnerschaft und der Gesundheit.

Wie überall, gibt es auch hier eine Opposition: diese Sehnsucht nach einem Altwerden ohne alt werden, macht uns krank und so als reifer Mensch hat man viele Vorteile auf seiner Seite. Wir haben mehr Erfahrung und kommen auch noch ohne Navi von A nach B. Haben wir einmal das Handy vergessen, bricht für uns nicht gleich eine Welt zusammen. Hinzu kommt: wie können vom Partner nicht mehr so einfach durch sexuelle Enthaltsamkeit erpresst werden. Hier haben wir Ollen uns zu erotischen Kamelen mutiert.

Doch selbst wenn es beide Lager nicht gäbe, so müsste ich ganz klar sagen:

Altern ist eine Bürde!

Woran merke ich, dass ich wach bin und das nicht träume? Weil irgend Etwas an mir weh tut!

Wenn ich meine Tabletten eingenommen habe, brauche ich eigentlich kein Frühstück mehr. denn ich bin bereits satt.

Gehe ich in ein Restaurant, bestimmt nicht meine Lust, was ich zu Essen bestelle, sondern das was meinem Herrn Magen bekömmlich ist.

Ging ich früher zu einer Veranstaltung, waren nur Alte da. Gehe ich nun irgendwo hin, bin ich nur von Jungvolk umgeben.

Treffe ich mich mit Gleichaltrigen, dann behandeln die Themen hauptsächlich Krankheiten und das Schlimmste daran ist: ich kann fast überall, durch eigene Erfahrungen, aktiv mitreden.

Doch das alles ist Kindergarten gegenüber dem, was sich äußerlich an meinem Körper abspielt:

Wenn ich an mir herunter sehe, kann ich nur noch die Schnalle meines Gürtels sehen, durch Vorbeugen.

Haarwurzeln sind unter die Kopfhaut versickert und haben Nase sowie Ohren erreicht. Es gruselt mich davor, wenn die Folikel erst einmal den Rachen erreicht haben und sich auf den Zähnen platzieren.

Selbst so einfache Dinge wie das Rasieren ändern sich. In jungen Jahren reichte es, sich alle drei Tage einer Rasur zu unterziehen. Das funktionierte dann auf straffer Haut im Nu. Jetzt muss ich einzelne Hautpartien mit der einen Hand straffen, während ich mit der anderen Hand den Rasierer benutze. Jedes Mal eine motorische Meisterleistung.

Also was auch immer man uns Alten einzureden versucht: der goldene Herbst des Lebens ist alles andere als goldig!