Selters ist auch nur Wasser

Gleich vorweg der Hinweis: es werden in diesem Beitrag einige Produkte und deren Markennamen genannt. Da ich von keinem der Hersteller oder den dahinterstehenden Konzern finanzielle Unterstützung erhalte, ist das nicht als Werbung anzusehen sondern ergibt sich einfach aus dem Kontext der Geschichte, die ich berichten werde.

Letztes Wochenende war ich mit meiner Frau in Selters an der Lahn. Also dort, wo das bekannte Mineralwasser herkommt (wie auch diverse andere Wässerchen, aus umliegenden Quellen).

Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meiner Jugend.

Da meine Eltern sparsam waren, gab es einst bei uns nur Glasflaschenware, die wir in einem Supermarkt in der Nähe kauften. Die Zutaten darin: Wasser und Kohlensäure, vielleicht auch noch Spuren von irgendwelchen Minrralien. Das aber war dann rein zufällig.

Wie gerne fuhr ich mit der Familie zur Verwandtschaft, bestand dort doch die Chance „Wasser mit Geschmack“ zu bekommen. Das war dann meist Sprudel mit Orangen- oder Zitronengeschmack. Bluna oder Fanta, ein kulinarischer Höhepunkt, gab es nur in Gaststätten.

So fragte mich eines Tages mein Großvater: „Bub, was magst Du denn trinken?“

Ich antwortete höflich mit der Gegenfrage: „Was hast Du denn da, Opa?“

„Einiges!“, meinte er und fügte bei: „Magst Du ein Selters?“

Das klang gut. Ich sagte ja und staunte nicht schlecht, als kurz darauf ein Glas mit schnödem Mineralwasser vor mir stand. Opa bemerkte wohl meinen enttäuschten Blick und meinte mit wohlwollendem Unterton: „Das ist sogar echtes Selterswasser!“

So lernte ich, das Selters ein Wasser war und kurz darauf auch den Umstand, dass man in meinem familiären Umfeld bald jede Form von Sprudelwasser den Titel „Selters“ gab. So, wie die Frage nach einem Papiertaschentuch lautete: „Hast Du Mal ein Tempo für mich?“

Einmal jedoch lernte ich ein Selters mit Geschmack kennen. Diese war allerdings nicht fruchtig, sondern eklig bitter. Lag wohl daran, dass man dieses Aroma mit einer Tablette selbst machen konnte. Es nannte sich Alka-Selters und war gegen Kopfschmerzen. Es sollte wieder eine Weile vergehen, bis ich meinen Irrtum bemerkte. Das Zeug hieß Alka-Seltzer.

So befand ich mich also letztes Wochenende in dem Ort, an dem Kindheitserinnerungen verknüpft waren. Diesmal sollten bessere Erinnerungen folgen. Statt nämlich Wasser auf einem Fest in Weinheim, tranken wir reichlich Wein in Selters und trotz des hohen Konsums benötigen wir am nächsten Tag kein Alka-Dingsbums oder eine andere Kopfschmerztablette.

Ich rate übrigens davon ab, noch in ein paar Jahren ein Mineralwasser aus der Selters-Gegend zu kaufen. Ist mir echt peinlich, aber als ich mit dem Hund eine größere Tour unternommen habe, musste ich dringend Pipi machen und das tat ich dann auch ins Gebüsch. Leider waren meine Recherchen erfolglos, wie lange es braucht, bis mein persönliches „Mineralwasser“ durch das Gestein in der Tiefe angelangt ist, wo abgepumpt und anschließend abgefüllt wird. Bis dahin dürfte es allerdings weitgehend gereinigt sein.

Aber einfach vorsorglich, um ihnen geschmacklichen Frust vorzuenthalten, so wie ich ihn einst bei meinem Opa hatte: Trinken Sie bitte ab dem Jahr 2025 kein Wasser mehr aus den Selters-Quellen. 👻

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