Die Kunst der korrekten Diagnose

Wer zu einem Arzt geht, muss häufig einen Hang zu devotem Denken haben. Manchmal werde ich auch das Gefühl nicht los, dass wegen des Numerus Klausus nicht immer die Menschen Ärzte geworden sind, die es aus tiefster Überzeugung wollen, sondern Die, die es einfach einfach konnten, weil sie einen guten Notenschnitt aufwiesen.

Als Jugendlicher hatte ich beispielsweise heftige Bauchschmerzen. Ich war zweimal beim Arzt und der meinte zweimal: „Das sind Wachstumsschmerzen“

Ich müsste heute über 2 Meter groß sein, wenn diese Diagnose richtig gewesen wäre. Ich gab nach dem zweiten Besuch mich meinem Schicksal hin. Ich ertrug die Schmerzen, und wurde trotzdem nur 1,74 groß. Ein paar Jahre später stellte man fest, dass Magen wie auch 12-Fingerdarm total vernarbt waren. Ich hatte wohl reichlich Magengeschwüre gehabt.

Zurück in die nahe Vergangenheit….

Neulich Blutwerte untersucht. „Ihre Leberwerte sind schlecht. Sind Sie Trinker?“ Diese Frage an einen Menschen, dessen letzter Kasten Limobier zum Teil weggeschüttet werden musste, weil das Produkt schon längere Zeit abgelaufen war.

Ich natürlich trotzdem etwas nervös. Da meinte die nächste Ärztin in der Reha, als ich nach 3 Wochen noch einen Bluttest wollte: „Das war ja nur eine leichte Abweichung. Kein Grund zur Beunruhigung. Testen Sie den Wert nochmal eine Weile nach der Reha!“

Gut, dass wir darüber gesprochen haben!

Nächstes Szenario: während der Reha war ich beim Wandern umgeknickt. Der Fuss musste geröntgt werden. Meinte der behandelnde Arzt im Krankenhaus: „Ihre Gefäße sind verkalkt wie bei einem Greis. Sie müssen unbedingt einen Angiologen nach der Reha aufsuchen!“

Heute der Termin. Mit einer Art Blutdruckmessung an Handgelenk und Fußfesseln wurde geprüft, ob was ankommt und das tat es. Dann noch mit Ultraschall die Hauptschlagadern bis zu den Kniekehlen gecheckt, dann hieß es: „Ablagerungen ja, aber nichts gravierendes!“

„Warum hat man in der Klinik in Bad Frankenhausen etwas anderes diagnostiziert und wieso schmerzen und pochen meine Waden so?“, war meine Frage aber offenbar die Zeit auch abgelaufen.

„Das kann ich Ihnen nicht sagen!“, kam es knapp von der Ärztin zurück.

Kurz vorher hatte ich übrigens die Assistentin gefragt, ob man Verkalkungen auf Röntgenbildern sehen könnte. „Ja, sie müssen dann allerdings ausgeprägt sein.“

Also wohl fühle ich mich jetzt nicht wirklich.

Übrigens: Doet an dem Tresen meinte ich beiläufig, dass man hier wohl auch Herzultraschall durchführt und ich hätte dafür dann keinen Termin bei einem anderen Arzt im September ausmachen müssen.

„Ja, machen wir. Aber das ist eine andere Anwendung und da wir pro Patient im Quartal nur eine Untersuchung durchführen, wäre dann vor Oktober kein Termin möglich.“

Hier habe ich, mehr aus Versehen, doch alles richtig gemacht.

Und weil es so schön ist und Sie gerade am Lesen sind, noch eine Story zum Abschluss:

Anfang des Jahres hatte man beim Urologen eine Zyste am linken Samenstrang festgestellt.

„Wir warten erst einmal ob sie größer wird. Kommen Sie in drei Monaten nochmals zur Untersuchung.“

Das tat ich dann auch drei Monate später.

„Die Zyste ist größer geworden, aber OP noch nicht zwingend. Warten wir bis nach Ihrer Reha ab.“

Heute kam ich folgsam zu einer erneuten Untersuchung und teilte dem Arzt mit, dass ein leichter Schmerz auf der linken Seite generell wäre und der Druckschmerz noch stärker.

Raten Sie mal was der Urlologe nach der Untersuchung meinte? Sie liegen richtig wenn Sie folgendes getippt haben:

„Herr Bönsch, die Zyste ist zwar wieder ein Stück größer geworden, aber zu klein für eine OP. Warten wir einmal bis zum November ab und schauen dann nochmal nach.

Da wird dieses nervige Etwas vermutlich nochmals gewachsen sein, aber in der Vorweihnachtszeit ist so eine OP auch nicht schicklich.

Ich bin kein Freund von vorschnellen Eingriffen, aber wenn etwas wächst, und wenn auch langsam, und schmerzt, Tendenz steigend, dann fühle ich mich nicht wirklich wohl dabei, viermal im Jahr ein Wartezimmer mit mir zu belegen.

Dabei gibt es zudem den berühmten Spruch, gerade auf den Unterleib des Mannes bezogen: Auf die Größe kommt es nicht an!

🤣

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2 Gedanken zu „Die Kunst der korrekten Diagnose

  1. Och Mensch, das ist ja wirklich total nervig! Mit der Zyste, die angeblich zu klein für eine OP ist, kannst du dir da nicht eine zweite Meinung einholen? Ich meine, du hast doch Beschwerden… Kurz vor Weihnachten im Krankenhaus sein zu müssen, ist absolut doof, das hatte ich selbst schon zweimal. Muss gar nicht sein, absolut nicht!
    Den Rest kann ich nur mit einem Kopfnicken quittieren. Siehe mein Beitrag von gestern. Und die Fortsetzung folgte heute, aber darüber schreibe ich heute später noch. Es ist doch zum Haareraufen!

    • Das Problem: ich bin zu bequem und gehe auch zu ungern zum Arzt, um mir eine zweite Meinung einzuholen. Hinzu kommt: der nächste Urologe sitzt in Wiesbaden. Da kosten auch An- und Abreise Zeit. Zumindest die nächste Untersuchung warte ich noch ab.

      🙈🙉🙊

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