Auf in die goldenen 20er

Heute, vor 20 Jahren, bereitete ich mich ganz besonders auf einen Auftritt mit meiner Band vor. Ich legte eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien parat sowie ein Multifunktionsmesser. Mein Firmenhandy, ein Blackberry, mit dem ich mich wohltuend aus der Riege der Nokia-, Siemens- und Sony-Ericsson-Nutzer abhob, hatte ich ebenfalls frisch aufgeladen. Für mindestens 6 Tagen würde das tragbare Telefon jetzt funktionieren. Mobilfunknetz war zwar, am Rande des Spessart, nicht zu erwarten und zum Jahreswechsel brachen eh alle Verbindungen zusammen, doch für später war ich gewappnet.

Warum das alles? Weil die Gefahr bestand, dass mit dem Beginn des neuen Millennium alles zusammenbricht.

Die Welt ging nicht unter, Blackberry schon!

20 Jahres später verbringe ich Silvester am Rande des Taunus, um der Knallerei dem Dreck sowie Gestank aus dem Weg zu gehen. Mein Null-Acht-Fünfzehn Smartphone, made in China und mit Google-Android Betriebssystem, ist aufgeladen und wird voraussichtlich bis nach Mitternacht genug Akkuleistung haben. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Mobilfunknetz haben wir in dieser Wildnis ohnehin nicht. Ob das Netz zu dieser Zeit wegen Überlastung zusammenbricht, werde ich damit nicht feststellen können.

Feststellen werden wir allerdings den Jahreswechsel an anderen Dingen:

Der Fernverkehr wird in den meisten Bundesländern teurer, trotz der Steuersenkung seitens Staat. Die meistens Stromanbieter erhöhen ebenfalls signifikant die Preise, damit wir auch weiterhin Spitzenreiter bei den Energiekosten in Europa bleiben. Ebenfalls gehen die Preise bei DHL rauf. Ob es auch weitere Speditionen betrifft, wie Hermes, GLS, UPS oder DPD entzieht sich aktuell meiner Kenntnis, ist jedoch wahrscheinlich.

Aber, und mit diesen letzten Gags verabschiede ich mich nun von Ihnen für dieses Jahr: Die Bahn und Energieriesen nutzen die Mehreinnahmen für den Ausbau und senken später die Preise. DHL & Co. – die verwenden die höheren Gewinne, um die Mitarbeiter besser zu entlohnen.

Ich wünsche nun, und das nicht ganz uneigennützig, Ihnen ein tolles Jahrzehnt in bester Gesundheit!

Freundlich und mit XXL-Grüßen

Ihr

Bönschi

Weihnachten

Auf Sie warten hoffentlich ein paar angenehme Feiertage.

Das Lied „Fröhliche Weihnacht überall“ nehme ich da mal als Leitmotiv. Wobei zumindest ein Wesen in meiner Familie eher gegenteilig empfinden wird: unser Hund!

Schön am dritten Dezember wusste er: komme ich mit dem großen eckigen Ding, dann fummelt Herrchen daran herum und kurz darauf gibt es was leckeres zu futtern.

Ab Nikolaus brauchte ich nur noch „Kalender?“ rufen und der beste Freund des Menschen sowie des Adventskalenders stand parat.

Morgen wird eine Welt in dem Hundeherz zusammenbrechen, wenn niemand mehr dieses große Ding anschleppt. Vorbei die Zeit der Sonder-Leckerlis.

Ich wünsche daher Ihnen wie auch uns besinnliche Feiertage und dem Hund einen Adventskalender mit 365 Türchen.

Die Wende

Für viele mag der heutige 22.12. nur ein gewöhnlicher Tag sein, doch für mich ist es ein ganz besonderer Zeitpunkt. Mit der vollzogenen Winter-Sonnenwende nimmt nämlich die fette Nacht endlich wieder ab und der bulemisch dünne Tag langsam zu.

Die Hälfte der Zeit ist gepackt, wo es tagsüber nur die drei folgenden Zustände gibt: Morgendämmerung, Mittagsdämmerung sowie Abenddämmerung.

Im späten Herbst und frühen Winter entspricht so ein Tag völlig das Klischee eines Beamten: ungefähr 8 Stunden anwesend aber passieren tut nicht viel. 😜

Während ich jetzt motze, dass es um 17 Uhr stockdunkel draußen ist, werde ich in knapp 6 Monaten Jammern, dass man es um diese Zeit nur im Schatten aushält. Aber darauf freue ich mich.

Ich irre, also bin ich

Hatte vor kurzem erwähnt, dass nicht einmal mehr auf die Preiserhöhungen der Bahn zum Winter-Fahrplan Verlass sei.

Jetzt hat sich das Ganze wohl doch wieder normalisiert. Die Preise für den Fernverkehr sinken, aber sicherlich nicht um den Prozentsatz, der Steuersenkung und da holt sich der Staat schon auf andere Weise den Einnahmeausfall vom Bürger zurück.

Aber beim Nahverkehr bleibt alles beim Alten… die Bahn kommt… (so ein alter Slogan) mit einer Anhebung.

Bis das uns der Tod trennt

Als ich vor fast 10 Jahren zu meiner Frau zog, gab es viele Dinge, wie meine Musikinstrumente, die Platz brauchten und andere Dinge, wie mein Windows 98 Rechner mit einer 1000-Mark teuren Soundkarte drin, die ich nicht einfach entsorgen wollte.

Ich hatte Glück und konnte einen kleinen Kellerraum im Haus anmieten. Doch wie alles im Leben, ist auch dieser Zustand vergänglich. Ausgerechnet in der aktuellen Vorweihnachtszeit bekam ich die Kündigung wegen Eigenbedarf und nun heißt es: Platz schaffen im Keller meiner Frau und Abspecken, von dem was aus meinem Raum dann umziehen muss.

Ich, vom Naturell her ein Jäger und Sammler, darf mich nun von dem trennen, was meine Beutezüge mühselig erbracht haben!!! Dinge, bei denen sich mir teilweise deren Sinn entschließt.

Das Ganze würde auch die Seele reinigen, meint zumindest meine Frau. Doch im Moment schmerzt sie nur. Sie verträgt diese grobe Form der Reinigung eindeutig schlecht.

Aber ich schreibe diesen Beitrag nicht, um zu Jammern oder Mitgefühl zu erheischen. Mir geht es um etwas anderes: Nachhaltigkeit!

Ich entsorge einen funktionsfähigen Windows 98 Rechner, der nur deshalb aufgegeben wurde, weil Microsoft den Support eingestellt hat. Gleiches Schicksal ereilt Rechner Nummer Zwei, dieser mit Windows XP. Ebenfalls nun Elektroschrott, dank Microsoft. Mein Windows 7 Notebook wird in Bäldeden Weg der Ausschlachtung gehen. Für Windows 10 zu schwach, war es unter Windows 7 ein stabiles Arbeitstier.

Weil ein Softwarehaus alle 5 Jahre die Verkaufszahlen durch die Erschaffung eines neuen Betriebssystems ankurbeln will (Windows 10 Nachfolger, 2020, steht in den Startlöchern) stellt man weitere 5 Jahre später den Support des alten Produktes ein, um auch die ganz störrischen User umzustimmen. Die System Anforderungen werden erhöht und damit bringt man die Hardware Hersteller ins Boot. Denn auch da kurbelt ein neues Betriebssystem die Verkaufszahlen an.

Aber was jammere ich? Bei Smartphones ist der Zyklus bereits auf 2 Jahre ausgelegt. Dann gibt es keine Updates mehr und bis auf ein paar ganz Mutige oder Arme, steht der Kauf eines neuen Handy an.

Ich sollte mal lieber wieder in den Keller gehen, als hier Zeit mit meckern zu vergeuden. 🤭

Übrigens: ein Netbook habe ich von Windows 7 auf Linux umgestellt. Läuft flott und stabil. Weniger flott bin da ich, der sich mit dem Einarbeiten da etwas schwerer tut als gedacht. Mal sehen, wie lange ich dadurch den Zwang zum Austausch hinauszögern kann?

Serviceleistungen im Wandel der Zeit

Als junger Mann hatte ich die Möglichkeit, diverse asiatische Städte zu bereisen. Highlights waren dabei Bangkok, Singapur und Taipeh.

Um preiswert und vor allem überhaupt durch den Stadtverkehr zu gelangen, bot sich die Nutzung von Tuktuks an. Das waren im Grunde Rikschas, die nicht von einem schwitzenden Menschen gezogen, sondern von einem übelst stinkenden Zweitakter-Moped angetrieben wurden.

Man gab dem Fahrer eines solchen Gefährts ein Zeichen, wenn es lautstark knatternd in die Nähe kam und kein Passagier auf der hinteren Bank saß. Er hielt an, man erklärte irgendwie wohin man möchte (denn die englische Sprache beherrschten wenige) und feilschte einen Preis aus. Mit etwas Glück überlebte man die Tour und kam für wenig Geld an dem gewünschten Ziel an.

Nur wenige Jahre später, ein neues Szenario: man winkte einem Tuktuk-Fahrer, der verstand, wohin man wollte und nannte seinen Preis. Handeln war kaum noch möglich. Sofort fuhr er weiter, denn nur unweit winkte der nächste Tourist.

Wieder ein paar Jahre später, ein neues Bild….

Ich lief auf einem Gehweg und ständig hielten Tuktuks. „You want a Taxi?“

Nein, ich wollte lieber laufen, denn ich wusste zwischenzeitlich was mir drohte.

„Wanna make you cheap prise, Mister!“

Ich wollte diesmal dem Asiaten eine Chance geben und machte ihm klar: Ich fahre mit Dir, aber nur wenn Du mich dahin fährst, wohin ich möchte und ohne Umwege. Ich zahle auch gut!

Der Fahrer des Tuktuks winkte verächtlich ab und fuhr weiter. Es war in der Tat schwer, ein Gefährt aufzutreiben, dass einen nicht ungefragt zu einem Schmuckgeschäft oder Basar fuhr, wo es offensichtlich Provisionen gab, die weit über dem Verdienst durch regulären Transport lagen.

Warum ich das erzähle?

Weil ich viele Ähnlichkeiten zu unserem aktuellen Leben erkenne:

Früher suchte man einen Job, vereinbarte ein Gehalt und gut war.

Jahre später, musste man sich schon anstrengen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen und üppige Gehaltsforderungen waren nicht mehr möglich, denn da warteten schon andere, die für weniger Geld den Job erledigen wollten.

Mittlerweile wird die Frage gestellt, ob man einen Check der Arbeitsagentur vorlegen kann. Da beteiligt sich das Jobcenter an den Gehaltszahlungen. Subvention der Arbeitskraft als kleines Dankeschön für die Bereitwilligkeit der Jobvergabe.

Auch bei der ärztlichen Versorgung hat nur noch der Patient eine Chance auf raschen Termin, der über eine private Kasse besondere Gebühren und Leistungen angerechnet bekommen kann.

Was erwartet mich in naher Zukunft?

Wenn ich von A nach B will wird da nicht einmal ein Tutuk sein. Mit etwas Glück kann ich frei laufen und muss nicht auf dem Weg eine Rikscha ziehen.

Vielleicht haben Sie ja mehr Glück und stehen auf der Gehweg-Seite, dann verspreche ich Ihnen: „Ich mache gute Preis!“