Serviceleistungen im Wandel der Zeit

Als junger Mann hatte ich die Möglichkeit, diverse asiatische Städte zu bereisen. Highlights waren dabei Bangkok, Singapur und Taipeh.

Um preiswert und vor allem überhaupt durch den Stadtverkehr zu gelangen, bot sich die Nutzung von Tuktuks an. Das waren im Grunde Rikschas, die nicht von einem schwitzenden Menschen gezogen, sondern von einem übelst stinkenden Zweitakter-Moped angetrieben wurden.

Man gab dem Fahrer eines solchen Gefährts ein Zeichen, wenn es lautstark knatternd in die Nähe kam und kein Passagier auf der hinteren Bank saß. Er hielt an, man erklärte irgendwie wohin man möchte (denn die englische Sprache beherrschten wenige) und feilschte einen Preis aus. Mit etwas Glück überlebte man die Tour und kam für wenig Geld an dem gewünschten Ziel an.

Nur wenige Jahre später, ein neues Szenario: man winkte einem Tuktuk-Fahrer, der verstand, wohin man wollte und nannte seinen Preis. Handeln war kaum noch möglich. Sofort fuhr er weiter, denn nur unweit winkte der nächste Tourist.

Wieder ein paar Jahre später, ein neues Bild….

Ich lief auf einem Gehweg und ständig hielten Tuktuks. „You want a Taxi?“

Nein, ich wollte lieber laufen, denn ich wusste zwischenzeitlich was mir drohte.

„Wanna make you cheap prise, Mister!“

Ich wollte diesmal dem Asiaten eine Chance geben und machte ihm klar: Ich fahre mit Dir, aber nur wenn Du mich dahin fährst, wohin ich möchte und ohne Umwege. Ich zahle auch gut!

Der Fahrer des Tuktuks winkte verächtlich ab und fuhr weiter. Es war in der Tat schwer, ein Gefährt aufzutreiben, dass einen nicht ungefragt zu einem Schmuckgeschäft oder Basar fuhr, wo es offensichtlich Provisionen gab, die weit über dem Verdienst durch regulären Transport lagen.

Warum ich das erzähle?

Weil ich viele Ähnlichkeiten zu unserem aktuellen Leben erkenne:

Früher suchte man einen Job, vereinbarte ein Gehalt und gut war.

Jahre später, musste man sich schon anstrengen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen und üppige Gehaltsforderungen waren nicht mehr möglich, denn da warteten schon andere, die für weniger Geld den Job erledigen wollten.

Mittlerweile wird die Frage gestellt, ob man einen Check der Arbeitsagentur vorlegen kann. Da beteiligt sich das Jobcenter an den Gehaltszahlungen. Subvention der Arbeitskraft als kleines Dankeschön für die Bereitwilligkeit der Jobvergabe.

Auch bei der ärztlichen Versorgung hat nur noch der Patient eine Chance auf raschen Termin, der über eine private Kasse besondere Gebühren und Leistungen angerechnet bekommen kann.

Was erwartet mich in naher Zukunft?

Wenn ich von A nach B will wird da nicht einmal ein Tutuk sein. Mit etwas Glück kann ich frei laufen und muss nicht auf dem Weg eine Rikscha ziehen.

Vielleicht haben Sie ja mehr Glück und stehen auf der Gehweg-Seite, dann verspreche ich Ihnen: „Ich mache gute Preis!“

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