perspekivlose Perspektiven

Heute gehört mein Blog-Eintrag eigentlich in die Kategorie „NachdenklICHes“, aber – typisch Mann – arbeite ich eher darauf los, ohne Einzuordnen. Bedienungsanleitungen werden auch erst dann gelesen, wenn ich mit meiner intuitiven Vorgehensweise nicht mehr weiter komme.

Meine Eltern sind heute aus Österreich abgereist, einem Ort, in dem wir schon seit mehr als 40 Jahren immer wieder unseren Urlaub verbringen. Zunächst gemeinsam, doch als wir Kinder erwachsen waren, jeder wann es ihm beliebte. Diesmal wollten wir eine Überraschung starten und sind unangekündigt angereist. Haben dann, in den Stunden die wir gemeinsam verbrachten (meine Schwester war auch zufällig dort), eine angenehme Zeit gehabt.

Die Abschiede aus Osttirol sind immer mit etwas Wehmut verbunden, doch in der Gewissheit, bald wieder da zu sein, hält sich die Trauer in Grenzen. Nähern wirs uns doch mit jedem Tag hin zur Abreise auch wieder dem Zeitpunkt der erneuten Ankunft.

Aus gesundheitlichen Gründen bei meinem Vater, ist es allerdings unwahrscheinlich, dass die Beiden nochmals hier her reisen werden. Dieses seltsame Gefühl der Endgültigkeit für eine lieb gewonnene Aktivität, das macht mich enorm nachdenklich. Wenn wir im Alter immer mehr dieser Abschiede haben.

Es fängt erst klein an…. selbst in meinem Alter werden die Wanderungen nicht mehr so exzessiv lang oder gehen hoch hinaus. Rennrad fahre ich schon eine Weile nicht mehr und es wird sich steigern werden, was nicht mehr machbar ist.

Irgendwann wird auch der Moment kommen, wo ich zum letzten Mal in Österreich war oder bin. Doch am Schlimmsten ist es für die Menschen, die im Alter nicht nur die Möglichkeit des Reisens verlieren weil der Körper nicht mehr so mitspielt, sondern den Personen, die sogar Abschied von ihren Erinnerungen nehmen müssen. Einfach, weil das Hirn nicht mehr mitspielt.

Ich möchte zwar noch viele Dinge in meinem Leben tun, wie viele Orte bereisen (auch in Deutschland und hier besonders im Osten). Ich wünsche mir, mit einem Heli über die Deferegger Berge zu fliegen oder besser noch: mit einem Tandem-Sprung Paragleiten – aber heute wird mir bewusst:

Viel wichtiger als die Erfüllung dieser Träume ist für mich, die alten Möglichkeiten nicht zu verlieren und so lang wie irgendwie machbar auszukosten!

Das übrigens, wünsche ich mir auch für alle meine realen wie virtuellen Menschen die ich kenne.

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Best(?)agers

Mieses Wetter draußen und damit das geeignete Wetter für ein ebenso mieses Thema.

Ich bin ja nun vor ein paar Tagen 58 Jahre alt geworden und das heißt: seit drei Jahren kann man mich schon kaufmännisch auf 60 aufrunden.

Da gibt es nun zwei Lager. Die Industrie, die den Jugendwahn vertritt. Wir sollen uns Kosmetika kaufen, diverse Sportgeräte ebenso und Fitnesstrainer reich machen. Jung zu sein oder wenigstens zu wirken, verheißt Erfolg im Berufsleben, in der Partnerschaft und der Gesundheit.

Wie überall, gibt es auch hier eine Opposition: diese Sehnsucht nach einem Altwerden ohne alt werden, macht uns krank und so als reifer Mensch hat man viele Vorteile auf seiner Seite. Wir haben mehr Erfahrung und kommen auch noch ohne Navi von A nach B. Haben wir einmal das Handy vergessen, bricht für uns nicht gleich eine Welt zusammen. Hinzu kommt: wie können vom Partner nicht mehr so einfach durch sexuelle Enthaltsamkeit erpresst werden. Hier haben wir Ollen uns zu erotischen Kamelen mutiert.

Doch selbst wenn es beide Lager nicht gäbe, so müsste ich ganz klar sagen:

Altern ist eine Bürde!

Woran merke ich, dass ich wach bin und das nicht träume? Weil irgend Etwas an mir weh tut!

Wenn ich meine Tabletten eingenommen habe, brauche ich eigentlich kein Frühstück mehr. denn ich bin bereits satt.

Gehe ich in ein Restaurant, bestimmt nicht meine Lust, was ich zu Essen bestelle, sondern das was meinem Herrn Magen bekömmlich ist.

Ging ich früher zu einer Veranstaltung, waren nur Alte da. Gehe ich nun irgendwo hin, bin ich nur von Jungvolk umgeben.

Treffe ich mich mit Gleichaltrigen, dann behandeln die Themen hauptsächlich Krankheiten und das Schlimmste daran ist: ich kann fast überall, durch eigene Erfahrungen, aktiv mitreden.

Doch das alles ist Kindergarten gegenüber dem, was sich äußerlich an meinem Körper abspielt:

Wenn ich an mir herunter sehe, kann ich nur noch die Schnalle meines Gürtels sehen, durch Vorbeugen.

Haarwurzeln sind unter die Kopfhaut versickert und haben Nase sowie Ohren erreicht. Es gruselt mich davor, wenn die Folikel erst einmal den Rachen erreicht haben und sich auf den Zähnen platzieren.

Selbst so einfache Dinge wie das Rasieren ändern sich. In jungen Jahren reichte es, sich alle drei Tage einer Rasur zu unterziehen. Das funktionierte dann auf straffer Haut im Nu. Jetzt muss ich einzelne Hautpartien mit der einen Hand straffen, während ich mit der anderen Hand den Rasierer benutze. Jedes Mal eine motorische Meisterleistung.

Also was auch immer man uns Alten einzureden versucht: der goldene Herbst des Lebens ist alles andere als goldig!

Krankes Zeug

Kennen Sie das alte Märchen „Von Einem der auszog, dass Fürchten zu lernen!“?

Ich erlebe aktuell die moderne Variante und dir ist alles andere als märchenhaft.

Meine Reha startete ich erschöpft, jedoch scheinbar gesund. Sie sollte dem einfachen Zweck dienen, mich für weitere Jahre durch irgendwelche Arbeitgeber so richtig ausbeuten lassen zu können. Der moderne Arbeitnehmer, mit Zeitverträgen muss sich nämlich der indianischen Tugenden bedienen und keinen Schmerz kennen.

Gleich zu Beginn die Diagnose: mein Puls ist zu hoch. Das war mir an sich nichts neues. Der diastolische Wert beim Blutdruck sei ebenfalls zu hoch. Dies war mir tatsächlich neu, doch da ich kaum noch Dias habe und auch einer apostolischen Kirche angehöre, war mir dieser Befund ziemlich egal.

Wenige Tage später…

Wandern durch die herrliche Natur ist bekanntlich gesund sowie gut für Geist und Seele. Unbekanntlich kann es für die Füße für die Füße sein, wenn man (so wie ich) sich des Panoramas ergötzt, statt auf den Weg zu achten. Schon waren die Bänder durch einen Stolperer gezerrt.

Wieder kam der Indianer in mir durch. Vielleicht aber war es auch nur das Alter. Ich befinde mich in einer Lebensphase, wo es völlig natürlich ist, dass es heute Mal da zwickt und morgen an einer anderen Stelle, um an Tag Drei an beiden Bereichen zu schmerzen. Erst als ich nicht mehr richtig in die Wanderschuhe kam, meldete ich daher mein Problem der Stationsärztin. Die wiederun verwies mich an die örtliche Klinik.

Mir war klar, dass es sich nur um eine Zerrung handelte, doch als fügsamer Deutscher befolgte ich die Anweisung. Natürlich war ich nicht überrascht, dass die Diagnose mit meinen Vorahnungen übereinstimmte.

Erleichtert wollte ich aufstehen und davon humpeln. Fragt mich der Arzt nach meinem Alter, ich antworte artig und blicke dann in ein mitleidvolles Gesicht.

„Fast 58 sind Sie?“

Ja, ich weiß, ich sehe jünger aus und fühle mich noch ein Stückchen mehr davon.

„Tja, Ihre Gefäße entsprechen aber nicht dem Alter!“

Was denn für Gefäße? Ist das thüringischer Dialekt und bedeutet Füße? Ich sag doch: ich sehe jünger aus und bestimmt auch unten herum!

Leider riss mich der Arzt aus meinen Gedanken und das recht unsanft.

„Die Blutgefäße zeigen massive Kalkablagerunge, die unüblich für Ihr Alter sind. Bitte suchen Sie nach der Reha unbedingt Ihren Hausarzt auf und lassen Sie sich eine Überweisung zu einem Gefäßspezialisten geben!“

Mit diesen Worten und guten Wünschen entließ mich der Doktor für den Rückweg in meine Reha-Klinik.

Mal abgesehen davon, dass ich mir vorkomme wie ein altes Leitungssystem, an dem man an einer Stelle abdichtet und es dafür anbei einer anderen Stelle umso stärker leckt: Danke, liebes Universum, dass Du meinen Wunsch nach Alleinstellungsmerkmalen auf diese makabre Weise erfüllst! 👻

Not so happy birthday

Als ich jung war, habe ich einen ganz bestimmten Tag herbeigesehnt.

Nein, nicht den Anfang der Sommerferien und auch nicht das erste Mal Sex… obwohl… also irgendwie vielleicht schon, doch nicht so intensiv wie diesen anderen Tag.

Von welchem ich rede?

Den eigenen Geburtstag meine ich!

Schon Monate zuvor habe ich auf die Frage meines Alters kaufmännisch aufgerundet. „Fast 20!“ war meine Antwort, beispielsweise ab dem Tag meines 19ten Geburtstags. Und im spätestens im April jeden Jahres, habe ich mir das letzte Quartal bis zum neuen Alter geschenkt. Dabei das kleine Wörtchen „fast“ so leise ausgesprochen, dass es die ein oder andere Person überhaupt nicht vernehmen konnte.

Heute sehe meinen Geburtstag eher als Übel, welches mir deutlich zeigt, dass ich altere und nicht nur erheblich sondern auch schnell. Dabei wäre das nicht nötig, denn mein Körper beweist mir auch so schon jeden Tag aufs Neue, dass er bald ein Historien-Kennzeichen verdient hat. Bei einem Wagen würde ich mir überlegen, ob nicht ein Neukauf ratsam wäre, statt permanenten Reparaturen entgegen zu sehen. Beim Körper fällt diese Möglichkeit (derzeit) noch aus.

Erwischt habe ich mich am letzten Samstag, wo ich mich jemand nach dem Alter fragte und ich wahrheitsgemäß antwortete: „Fünfundfünfzig!“

Mir wäre es lieb, wenn zumindest für die nächsten rund 360 Tage diese Anfragen nicht mehr an mich gestellt werden. Ich habe eben ein zartes Gemüt – und dazu stehe ich mehr als zu meinem Alter!

😉

Bio-Tod der Zukunft

Es wird gerade die Debatte geführt, dass wir Menschen dem Staat (für Rente und die Gesundheitskassen) zu alt werden.

Doch als ob das nicht schon ärgerlich genug wäre, dass wir Alten im Weg sind: Sterben ist ebenfalls keine Alternative, denn auch dafür ist kaum noch Platz!

Weil gerade in Ballungszentren die Friedhöfe aus allen Nähten platzen, werden jetzt neue Bestattungsverfahren entwickelt, gegen die selbst Urnengräber in Wänden, die den optischen Charme von Briefkastenanlagen in Hochhäusern versprühen, noch das Prädikat „üppig“ verdienen.

Zwei Beispiele will ich nun anbringen und wenn sich die im Netz herumsprechen sollten, werde ich bald viele „Follower“ von der Mafia für meinen Blog haben. Wohlgemerkt: die genannten Verfahren gibt es wirklich und sind kein schräges Fantasieprodukt von mir.

Die chemische Bestattung:

In einer Edelstahltrommel, unter Hitzeeinwirkung sowie Druck, wird der Leichnam in eine Kalilauge gelegt. Nach ca. 3 Stunden hat sich der Körper verflüssigt. Die pulvrigen Knochenreste passen in eine kleine Kapsel. Nicht lösliche Körperteile, wie künstliche Hüften und Implantate werden sortiert und weitgehend der Wiederaufbereitung unterzogen.

Die nachhaltige Bestattung:

In einem dreistöckigen Gebäude in Seattle (USA) sollen beim „Urban Death Projekt“ die Leichen kompostiert werden. Richtig gelesen: auf eine Schicht Holzspäne legt man eine tote Person – dann wieder eine Schicht Späne – dann wieder eine Leiche. Das wird sozusagen eine nekrophile Lasagne. 60 Grad Wärme – Luft und Kohlendioxid sollten dann den Menschen langsam verrotten lassen. In einem Sieb werden die nicht abbaubaren Teile aufgefangen – der Rest rutscht durch und irgendwann können sich die Angehörigen dann den Onkel Herbert abholen und als Biodünger um die Tomatenstöcke streuen. Endlich ist der ´mal zu was nutze, der alte Taugenichts! Hatte ohnehin immer nur Mist im Kopf.

Angeblich hat das Ganze in Testläufen schon gut funktioniert. Ich kann mir das nicht vorstellen, wie der Verwesungsprozess so schnell funktionieren soll, was mit den Faulgasen passiert und womit garantiert ist, dass der Haufen Biodünger in meinem Eimer tatsächlich vom „meinem“ Toten stammt?

Ich bin ohnehin schon als Organspender eingetragen und ich muss offen gestehen:  lieber lebe ich in Teile gestückelt in diversen Leibern weiter, als die Kartoffelerträge meiner Familie zu verbessern.

Es wird schon schwer mit Würde alt werden zu können und nicht in einem Heim oder einer Klinik dahin zu vegetieren – doch wenigstens den Tod möchte ich etwas stilvoller erwarten dürfen.

Never touch a sleeping system

Ich bin frustriert: bisher hieß es, dass ältere Menschen weniger Schlaf benötigen. Da ich ständig müde bin, dachte ich im Umkehrschluss, ein biologischer Jüngling zu sein.

Nun allerdings musste ich erfahren, dass dieser Wissensstand überholt ist. Senioren benötigen auch ihren Schlaf, allerdings verstärkt auch tagsüber, in Form eines Mittagsschlafes, um die verlorene Energie zu ersetzen.

Na klasse! Jetzt habe ich die Wahl, mich ohne mein „Mittags-Bubu“ durch den Tag zu quälen. Oder ich stehe dazu, dass mein Powernapping in der Mittagszeit, meinem fortgeschrittenen Alter geschuldet ist.

So oder so: ein Stück Lebensqualität geht mir nun verloren!

Es ist einfach nicht gut, zu viel zu wissen.