Ein Tief auf uns (frei nach A. Bourani)

Endlich haben wir ein Tief namens Peter über Deutschland, das den April so launisch gestaltet, wie man ihm unterstellt und in der Realität häufig nicht angetroffen hat.

Du schaust aus dem Fenster und die Sonne scheint. Ein paar Minuten später verlässt Du das Gebäude und ein Graupelschauer empfängt Dich. Der ist im Endeffekt angenehmer als der Regen, der nach einer kurzen Phase des neuerlichen Aufklarens auf Dich einprasselt. Die Eiskügelchen sind an Deiner viel zu dünne Jacke wenigstens noch abgeperlt. Nun dringt die Nässe tief ein und lässt Deinen Körper frieren.

Natürlich hat Dich schon der Wetterbericht davor gewarnt, wie kalt und unbeständig es werden wird, doch mit Deinem unverbesserlichen Optimismus und dem Hang nach Frühling, hast Du schon kurz nach Weihnachten – nach Tagen des milden Klimas – die Wäsche saisonal ausgetauscht. Heimlich sehnst Du Dich nach den Tagen zurück, wo Du an den Adventswochenenden mit weit geöffneter Winterjacke über Märkte und durch die geöffneten Läden gelaufen bist. Nun friert es und die Geschäfte haben Sonntags wieder geschlossen.

Tief Peter ist halt ein ganzer Kerl und kein Weichei!

Wie gut, dass Du die Ganzjahresreifen auf Deinem Wagen gelassen hast, die man vor einiger Zeit noch Winterreifen nannte. Die Chance auf Schnee im Juni ist eben nur unwesentlich geringer als im Dezember.

Okay… eigentlich will ich lieber einen schönen Longdrink picheln, als die restlichen Glüchweinvorräte aufzubrauchen. Ehrlich gesagt nervt mich das aktuelle Wetter total – aber bei einem Tief mit so tollem Namen, da muss man einfach Gnade walten lassen, oder?

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Saisonale Produkte

Als ich vor wenigen Wochen durch einen Getränkemarkt lief, sah ich in einem Regal diverse Flaschen stehen, von Punsch über Grog bis Glühwein.

„Die könnt Ihr wohl selbst trinken, bei dem geringen Nachlass!“, dachte ich hämisch.

Zwischenzeitlich weiß ich, dass dieser Gedanke voreilig war und wenn derzeit etwas ins Rabatt-Regal gehört, dann sind es Maibowle und Co.

Was nutzt es, im Frühjahr leichte Klamotten verkaufen zu wollen, wenn es den Kunden nach warmer Wäsche sehnen lässt oder im Dezember Winterkleidung, bei Temperaturen, die wir gerne im April hätten?

Doch nicht nur die Märkte haben strategische Probleme:

Soll ich wirklich am Freitag meine Sommerreifen aufziehen lassen oder warte ich mit der Umrüstung noch bis September?

Lohnt es sich, die Sommerwäsche aus den Schränken im Keller auszutauschen oder erwerbe ich einfach im August ein paar extrem rabattierte T-Shirts, die mich dann durch die milden nächsten Monate bringen?

Sollten wir nicht unsere Jahreszeiten generell modifizieren?

Ich stelle mir drei Jahreszeiten statt vier vor und die nennen wir:

Frühherbst – Zentralherbst – Spätherbst

Die drei Jahreszeiten

Wenn ich in meiner Jugend ein älteres Pärchen turtelnd spazieren gehen sah, dann dachte ich mir:

„Wenn ich mal alt bin, möchte ich auch so einen zweiten Frühling erleben!“

Nun bin ich in dem Alter, wo ich für die Rentenversicherungsanstalt viel zu jung und für die Arbeitgeber viel zu alt bin, doch wenn ich mir das Wetter da draußen ansehe, dann kann ich gut und gerne auf diese Jahreszeit und auch einen zweiten Frühling verzichten.

Da fühle ich mich in meinem zeitweilig stürmischen aber milden Herbst des Lebens doch wesentlich wohler.

Ich sehe auch schon die Zeit kommen, wo man einen Terrorist festnimmt und bei der Frage, wie er so kalt und unfreundlich sein kann, antwortet der Psychologe erklärend:

„Er steht unter Frühlingsgefühlen!“