Programmierte Missverständnisse

Dass Mann öfter von Frau nicht verstanden wird, das ist allgemein bekannt. Jetzt allerdings werden die kommunikativen Differenzen noch durch Fremdeinwirkung verstärkt: die Autokorrektur.

Gerade auf meinem Handy stelle ich immer wieder fest, dass das was ich tippen wollte absolut nicht mit dem übereinstimmt, was als Message erscheint. Wenn die Information total verzerrt wird, dann kann ich sicher sein: auffallen tut es mir erst im Moment nach der Versendung.

Wenn es wenigstens dadurch verursacht würde, dass das Ausgangswort eine Ähnlichkeit aufweist und beispielweise aus dem geschrieben Satz:  „Du hast einen eleganten Körper“  die Aussage „Du hast einen Elefanten Körper“ macht. Die modifizierte Aussage wird Zoff schaffen, ist jedoch noch halbwegs nachvollziehbar.

Unterschiedlich intensiv kann der Ärger werden, wenn aus dem Satz:

„Ich bin mit dem Auto über einen Stein gefahren!“

eine Meldung wird:

„Ich bin mit dem Auto über Einstein gefahren“

Natürlich erkennt man sofort, dass damit nicht das verstorbene Genie gemeint ist, doch problematisch wird es, wenn das Haustier nach ihm benannt wurde.

Immer häufiger werde ich das Gefühl nicht los, dass mein Smartphone nach dem Zufallsprinzip arbeitet. Es nimmt die ersten 4 geschriebenen Buchstaben und sucht sich dann aus dem Datenstamm Worte heraus, die genau diese vier Buchstaben irgendwo enthalten und schon lange nicht mehr genutzt wurden.

Mittlerweile verbrauche ich zum Korrigieren der Autokorrektur bestimmt genauso viel Zeit, wie sie mir erspart und richtig aufwendig wird es, wennbeispielsweise aus dem Satz:

„Du bist meine charmante Liebe“

mein Handy die Botschaft zaubert:

„Du bist meine Geliebte Chantal!“

Die Schadensbegrenzung im Anschluss, macht den Einsatz der Autokorrektur über Monate hinweg zeitlich unrentabel.

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Wegwerf Smartphones

Ein großer Provider bietet einen Tarif an, mit der Vereinbarung: „Jedes Jahr ein neues Handy!“

Ich dachte erst: „Was für ein Quatsch! – Wer braucht denn jedes Jahr ein neues Gerät?“

Ok – es mag sicherlich ein paar Menschen geben, deren Selbstbewusstsein unmittelbar an das mobile Device gekoppelt ist. So getreu der Motto: „Taugt mein Handy nichts – dann tauge ich auch nichts!“

Doch ich hoffte, dass es sich hier um eine Randgruppe handelt und sich der Großteil der Wohlstands-Menschen, sich auch noch mit einem Smartphone auf die Straße traut, das älter ist als ein Jahr.

Allerdings wird nun diesen eiskalten Kerlen – diesen Freaks, die sogar mutig genug wären, mit einem mobilen Gerät herumzulaufen, welches sogar eine komplette Generation zurück liegt– diesen Sparnasen wird der Kampf angesagt.

Klar – wenn ich als Hersteller jedes Jahr ein neues Smartphones bauen muss, kann ich mir den Luxus nicht erlauben, dass für jedes Modell und dies über mehrere Jahre, die Ersatzteile zu beziehen sind.

Den kauf-resistenten Kunden vermag ich auch leichter zu einem Umdenken zwingen, wenn ihm keine Wahl bleibt, als auf ein aktuelles Gerät umzustellen.

So hat meine Tochter vor ziemlich genau ein Jahr ein Nokia Lumia 520 erworben – es vor gut drei Wochen fallen lassen – und hätte mit dem geplatzten Display gut leben können (andere nutzen dafür eine App, damit das Handy so aussieht) – doch der Touchscreen funktioniert nicht mehr.

Nach drei Wochen Warterei auf Reparatur (für einen Teenager eine kleine Ewigkeit) kam dann die Mitteilung: das Display ist von Nokia nicht mehr lieferbar.

Klar – vor wenigen Wochen kam das Lumia 530 heraus – also am besten das kaufen – gleich ein Ersatzdisplay mit erwerben – und falls es nicht gebraucht wird, dann nächstes Jahr im Sommer via eBay teuer verkaufen, wenn das 540 Gerät den Ersatzteilbezug vom 530er unmöglich macht.

Einige Ostdeutsche Bürger werden sagen: „Das kommt mit bekannt vor – das hatten vor doch schon mal so ähnlich – kaufen auf Vorrat!“

Wenn dann in 20 Jahren bei jedem Bundesbürger irgendwo knapp 20 Altgeräte herumfliegen, heißt das im Klartext: die zum Bau erforderlichen „seltenen Erden“ mögen in China und anderswo immer seltener werden – nur nicht in den privaten Räumlichkeiten.

Permanente mobile Unzufriedenheit

Ist es nicht erstaunlich, was heute die Smartphones alles beherrschen?

Ich erinnere mich noch an Zeiten wo man stolz war, wenn der Arbeitgeber ein Handy zur Verfügung stellte – einfach nur, um zu telefonieren und mal eine SMS zu verschicken.

Heute können die Teile zusätzlich navigieren – Videos filmen – man kann über das Internet sich via Video unterhalten sowie Chatten und und und…

Der Arbeitgeber benötigt eigentlich nur ein Bruchteil der zur Verfügung gestellten Funktionen und doch erlebe ich tagtäglich Diskussionen, warum das Gerät nicht Termine vor 1990 und nach 2038 nicht annehmen will – wieso ich nicht mehr als 1000 private Adressen anlegen sollte und so weiter.

Was soll das?

Ich kann doch auch nicht einen Reisekoffer kaufen und dann maulen, weil da nicht der Inhalt eines begehbaren Kleiderschrankes hinein passt.

Ich bin mir sicher: wenn die ersten Smartphones zum Einsatz kommen, mit der man auch seine morgendliche Rasur durchführen kann, werden sich Mitarbeiter beschweren, wieso das nur trocken geht und/oder ein Langhaarschneider gegen Aufpreis vom Unternehmen nicht bezahlt wird.

Kann man sich nicht einfach mal daran begeistern, dass in so einem kleinen Gerät heute so viele Funktionen stecken?

Und wenn ich während meines Urlaubs in Italien mal meine gezippten Dateien auf dem Firmenhandy nicht öffnen kann, das einfach einmal als Zeichen zu sehen, mal vom Job auszuloggen?

Doch da steckt wohl die Angst vor der Erkenntnis in einem, dass es auch ohne 1000 Handy-Funktionen und vor allem auch ohne einen selbst weiter geht.

Ich würde eine Funktion des begrüßen, das mobile Gerät direkt mit der Personalabteilung zu verbinden und sobald der Modus „Urlaub“ aktiv ist – einfach das Gerät deaktivieren – bis zum Ende dieser Phase.

Ich bin mir sicher: die Erde würde sich weiter drehen und die Firma des „Ausgeschalteten“ keine merklichen Einbrüche erleben.