Stell dich nicht so um, Liebling!

Am Wochenende wird wohl zum letzten Mal in diesem Jahr die Möglichkeit bestehen, bei moderaten Temperaturen zu grillen. Grund genug, das Sommer-Gadget erneut anzuwerfen.

Ich liebe es, auf dem Holzkohlegrill ein Stück fettigen marinierten Schweinebauch so lange bruzzeln zu lassen, bis dieser steinhart ist und sich farblich von der unverbrannten Kohle kaum unterscheidet. Dazu noch eine ordentliche Portion Barbecue-Sauce und ich fühle mich im kulinarischen Himmel.

„Das ist doch vollkommen ungesund!“, höre ich häufig den vorwurfsvollen Einwand meiner Frau. Doch sie beißt sich da an mir argumentativ die Zähne aus, wie ich dann am Grillfleisch, welches ´extremly well done´ ist.

Ich grille doch nicht der Gesundheit wegen! Für das Thema ist mein Hausarzt zuständig.

Wenn es nach meiner Frau ginge, würden wir vermutlich nach Art der asiatischen Garküchen grillen. Ungewürzte Gemüse dünsteten bei Temperaturen auf den Elektroherd, die es gerade so vor dem Erfrieren schützen. Doch noch darf ich in der ursprünglichen Form mit Kohle grillen. Also zeige ich mich ebenfalls tolerant, wenn ein blasses Stück Hähnchenbrust oder Pute neben meinem dunkel marinierten Bauchlappen liegt und hinterher zart, jedoch bestimmt nicht saftiger, auf dem Teller der Holden landet. Auch diese Gemüsebrocken, die immer enorm viel Platz auf dem Grillrost einnehmen, akzeptiere ich ohne Einwand.

Allerdings dann kommt der Moment, der die schöne Grillatmosphäre mit einem Schlag zerstört:

„Magst Du mal mein Gemüse kosten?“

Mit dieser Frage wird der Anfang vom Ende eingeleitet, denn natürlich will ich nicht und mir weder meinen lecker rauchigen Geschmack im Gaumen zerstören noch die Ladekapazitäten in meinem Magen mit unnötigem Ballast verringern. Deshalb spricht man auch im Allgemeinen von der ballaststoffreichen Kost.

„Nein, danke!“

„Warum denn nicht? Schmeckt lecker!“

„Weil ich nicht mag!“

Ich erspare Ihnen den kompletten Wortlaut der nun beginnenden Diskussion, die letztendlich in einem handfesten Streit endet und ich als ignoranter Verweigerer deklassiert werde, der sich nicht darum schert, dass seine Frau sich Gedanken um seine Gesundheit macht.

An dieser Stelle nehme ich mir dann fest vor, nie wieder den Grill anzuwerfen.

Frühling 2016: auf dem Holzkohlegrill verbruzzelt ein schönes Stück dunkelbraunes Bauchfleisch und meine Frau beginnt gerade von ihrem angegrillten Gemüse zu essen.

„Hmmhh…. Ist das das lecker!  Magst du mal probieren?“….

Es wird so kommen – da bin ich mir ganz sicher!

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