Senioren-Triatlon

Es gibt bekanntlich die weit verbreitete Meinung, dass reifere Menschen in eine Lethargie aus Langweile verfallen. Wiederum andere Personen in weniger fortgeschrittenem Alter amüsieren sich darüber, dass gerade Rentner wenig Zeit haben. Klar, dieser Personenkreis hat nicht mehr die Möglichkeit, Mal einfach einen Tag Urlaub zu nehmen oder Zeitguthaben für einen Gleittag zu nutzen.

Alles Quatsch, denn ein Senior bzw. eine Seniorin kennt keinen Leerlauf, denn man ist sportlich unterwegs.

So nehme ich beispielsweise am Montag bei einem Triathlon teil:

Vormittag geht’s nach Mainz zu einem Date mit einem Sozialberater. Mittags dann zwei Stunden lang Untersuchungen bei einem Gefäß-Spezialisten in Rüsselsheim. Um 17 Uhr erwartet mich dann in Hochheim der Urologe und der wird mir, nach dem nunmehr dritten Check in diesem Jahr, wohl eine OP empfehlen.

Einzig einen gravierenden Unterschied gibt es zu einer regulär tätigen Person: ich werde um meine Aktivitäten beneidet, denn Termine sind Mangelware. Ich überlege schon, ob ich einen Termin für ein Hirn-MRT zu vereinbaren. Im Moment geht es mir (mal das Gedankliche ausgeklammert) rechr gut unter der Schädeldecke, doch wer weiß: vielleicht bin ich nächstes Jahr froh, ihn zu haben. Wenn nicht, kann ich diesen über eBay versteigern.

Da fällt mir ein: die nächste vorsorgliche Darmspiegelung steht an. Hier muss ich unbedingt einen Termin vereinbaren. Ist zwar erst im Sommer 2021 fällig, aber nicht, dass die Praxis jetzt schon ausgebucht ist.

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Premium Blog-Eintrag

Es wird häufig diskutiert, dass wir in der westlichen Welt einem Werteverfall unterliegen. Eines ist zweifelsfrei: in Beschreibungen diverser Produkte trifft es absolut zu!

Von einem sogenannten Premium-Fahrzeug wissen wir, dass meist nur der Anschaffungspreis und die Gagen der Vorstände sowie die Schummelsoftware diese Bezeichnung verdient.

Auch ein Premium Schwarzwälder Schinken hat häufig die genannte Region nur durch ein paar Tage der Räucherung erfahren. Das Tier stammt von irgendwo aus Europa, wurde getötet in einer Großschlachterei und dann ging ein Teil davon auf Reisen in den Südwesten Deutschlands. Den hohen Preis, den der Verbraucher nach der Veredlung zahlt, ist wohl hauptsächlich dem Kilometergeld geschuldet. Es wird zudem nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es seitens der gesetzlichen Bestimmungen völlig ausreichend ist, dass eine Führungskraft aus dem Schlachtbetrieb eine Zweitwohnung im Schwarzwald unterhält. Dann ist die Bezeichnung „Premium-Qualität aus dem Schwarzwald“ rechtlich nicht anfechtbar.

Eine weitere Dimension von Premium habe ich dieser Tage erlebt. Da wandere ich den „Premium Wanderweg Wispersteig“ ein Stück entlang. In der Tat gab es Abschnitte mir schöner Aussicht und von daher kann man das besprochene Prädikat so stehen lassen. Aber dann gab es auch solch einen Bereich:

Das sah eher nach Renaturierung aus!

So naturbelassen sollte kein Wanderweg sein, besonders dann nicht, wenn man ihn mit der Bezeichnung Premium bewirbt. Aber vielleicht sollte ich lieber keine Forderungen stellen. Sonst kommt noch jemand auf die Premium-Idee, Maut auf Wanderwegen einzuführen.

Und bevor nun die Zweifler überlegen, ob ich vielleicht vom rechten Weg abgekommen bin? Nein, es gab kurz vorher ein Schild und kurz darauf wieder. Ich war eindeutig korrekt unterwegs und die hohen Brennesseln haben (Dank kurzer Hose) meine Beine so richtig in Premium-Qualität brennen lassen. 🥴

Best(?)agers

Mieses Wetter draußen und damit das geeignete Wetter für ein ebenso mieses Thema.

Ich bin ja nun vor ein paar Tagen 58 Jahre alt geworden und das heißt: seit drei Jahren kann man mich schon kaufmännisch auf 60 aufrunden.

Da gibt es nun zwei Lager. Die Industrie, die den Jugendwahn vertritt. Wir sollen uns Kosmetika kaufen, diverse Sportgeräte ebenso und Fitnesstrainer reich machen. Jung zu sein oder wenigstens zu wirken, verheißt Erfolg im Berufsleben, in der Partnerschaft und der Gesundheit.

Wie überall, gibt es auch hier eine Opposition: diese Sehnsucht nach einem Altwerden ohne alt werden, macht uns krank und so als reifer Mensch hat man viele Vorteile auf seiner Seite. Wir haben mehr Erfahrung und kommen auch noch ohne Navi von A nach B. Haben wir einmal das Handy vergessen, bricht für uns nicht gleich eine Welt zusammen. Hinzu kommt: wie können vom Partner nicht mehr so einfach durch sexuelle Enthaltsamkeit erpresst werden. Hier haben wir Ollen uns zu erotischen Kamelen mutiert.

Doch selbst wenn es beide Lager nicht gäbe, so müsste ich ganz klar sagen:

Altern ist eine Bürde!

Woran merke ich, dass ich wach bin und das nicht träume? Weil irgend Etwas an mir weh tut!

Wenn ich meine Tabletten eingenommen habe, brauche ich eigentlich kein Frühstück mehr. denn ich bin bereits satt.

Gehe ich in ein Restaurant, bestimmt nicht meine Lust, was ich zu Essen bestelle, sondern das was meinem Herrn Magen bekömmlich ist.

Ging ich früher zu einer Veranstaltung, waren nur Alte da. Gehe ich nun irgendwo hin, bin ich nur von Jungvolk umgeben.

Treffe ich mich mit Gleichaltrigen, dann behandeln die Themen hauptsächlich Krankheiten und das Schlimmste daran ist: ich kann fast überall, durch eigene Erfahrungen, aktiv mitreden.

Doch das alles ist Kindergarten gegenüber dem, was sich äußerlich an meinem Körper abspielt:

Wenn ich an mir herunter sehe, kann ich nur noch die Schnalle meines Gürtels sehen, durch Vorbeugen.

Haarwurzeln sind unter die Kopfhaut versickert und haben Nase sowie Ohren erreicht. Es gruselt mich davor, wenn die Folikel erst einmal den Rachen erreicht haben und sich auf den Zähnen platzieren.

Selbst so einfache Dinge wie das Rasieren ändern sich. In jungen Jahren reichte es, sich alle drei Tage einer Rasur zu unterziehen. Das funktionierte dann auf straffer Haut im Nu. Jetzt muss ich einzelne Hautpartien mit der einen Hand straffen, während ich mit der anderen Hand den Rasierer benutze. Jedes Mal eine motorische Meisterleistung.

Also was auch immer man uns Alten einzureden versucht: der goldene Herbst des Lebens ist alles andere als goldig!

Es muss nicht immer Google sein

Als ich am 29. Juli in Thüringen an einem Weg warte, sehe ich eine solche:

Trotz einer gewissen Allgemeinbildung wusste ich zwar, dass es sich bei dieser herrlich blau leuchtende Pflanze um keine Kornblume handelte, aber dass es eine Wegwarte ist, war mir nicht bekannt.

Natürlich hätte ich Google fragen können und wäre dann vermutlich für die nächsten Wochen permanent mit Werbung penetriert worden, welche Produkte ich kaufen kann, die irgendetwas wohltuendes mit Wegwarte beinhalten. So aber hat mein ICH im damaligen JETZT meinem Hirn lediglich den Auftrag gegeben: „Speicher diesen großartigen Moment, wie auch mit den Fingern ein Foto auf meinem Handy.“

Mehr als einen Monat später…

Da postet eine Person via WordPress erfreut das Bild einer Wegwarte. „Diese Gewächs kenne ich doch!“, denke ich und schaue genauer nach. Ja, diese Nicht-Kornblume nennt sich also Wegwarte und ich habe wieder, neben Tankwarte und Sternwarte, eine neue Form der Warterei kennengelernt.

Das wird auf jeden Fall eines meiner drei Glücksmomente sein, die ich vor meiner Nachtruhe im Erfolgstagebuch festhalten werde.

Es sind oft die kleinen Dinge, die Großartiges auslösen!

Tierisch anstrengend – Teil 2

Es ist 5:30 Uhr am Morgen. In der Dämmerung ist die Umgebung nur schemenhaft erkennbar. Wie jeden Tag um diese Zeit schreitet majestätisch ein Rentier aus dem Gehölz. Dieses Mal ist es ein besonders hochwertiges Exemplar: Ohne Gluten, natriumarm und frei von Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärkern betritt es die Lichtung. Ein Wolf lauert unweit des Rens auf seine Chance und das Raubtier kann sich seines Erfolges gewiss sein, denn nun passiert wie durch Zauberhand folgendes:

Das Rentier verstirbt und kaum dass der Tod eingetreten ist zerfällt es in eine breiige Masse, von der genau 90 Gramm für den Verzehr verbleiben. Kurz darauf ist der Wolf satt. Zumindest ansatzweise, denn „satt“ gibt es als Gefühl nicht bei dieser Gattung.

Mittags findet unser Wolf, ebenfalls immer um die gleiche Zeit herum, einen kleinen Imbiss und Abends dann, gegen 22 Uhr, ist es beispielsweise ein Karnickel, das aus dem Gehölz hoppelt. Es hat noch Möhren und Kartoffeln in sich, eh es verstirbt und in eine 90-Gramm-Menge Wolfsfutter mit Jelly zerfällt.

So ungefähr müsste die Evolution reversiv verlaufen sein, nimmt man als Beispiel unseren Hund.

Zu unserer Verteidigung: Unser Rüde hat einen sensiblen Magen und um ihn vor Problemen zu schützen, hat sich diese Art der zyklischen Nahrungsaufnahme als effektiv erwiesen. Wir haben es sogar mit Barfen versucht, was so ursprünglich für Hunde sein soll. Faydi saß vor den Fleischbrocken und sah uns an, als wolle er sagen: „Macht wenigstens Tatar daraus, damit es essbar wird!“

Wir sind natürlich gleich zum Tierarzt gefahren, denn wenn die Vorfahren unseres Lieblings Tiere gerissen haben, sollte doch so ein Stück rohes Fleisch kein Problem für unseren Nachwolf sein.

„Die Zähne sind vollkommen in Ordnung bei Ihrem Hund. Das ist ein spanischer Streuner. Die fressen lieber weiches Futter!“, war die eindeutige Diagnose des Spezialisten.

Für einen kurzen Moment spürte ich Verärgerung aus Unverständnis. Ich erinnerte mich an meine Kindheit, wo gegessen wurde was auf den Tisch kam. Wieso war ich damals kein spanischer Streuner und wenn doch, wieso hätte es meine Eltern von der erzieherischen Linie nicht abweichen lassen? Fair scheint diese Welt nicht zu sein!

Doch meine Frau und ich sind eben keine Hardliner und so passten wir die Nahrung den Wünschen sowie Bedürfnissen unseres Haustiers an.

Ja, ich kann die Kommentare schon hören, dass wir unseren Hund verweichlichen und wir vergessen, dass unser Mitbewohner vom Wolf abstammt!

Aber mal Hand aufs Herz:

Weder die Affen noch unsere frühen Vorfahren haben einst zum Frühstück Müsli gegessen oder ein Brot mit Nuss-Nougat-Creme. Ging unser Urahne zum Türken, dann gab es dort vielleicht Tod oder Folter, aber bestimmt keinen Döner. Ob „pulled pork“ einst auf der Speisekarte zu finden war? Eher unwahrscheinlich und „veggie“ war das, was man an Büschen, Bäumen oder Wiesen fand und nicht in Kunststoff eingeschweißt in einem steinzeitlichen Supermarkt.

Die Zeiten ändern sich und ich gehe Mal stark davon aus, dass die wenigsten Personen meiner Leser noch einen Schnuller für sich nutzen, obwohl das Teil einst nicht wegzudenken war. Selbst über solch einen kurzen Zeitraum verändern wir eben unser Verhalten.

So, ich muss jetzt Schluss machen. Ich werde meinem Spätwolf sein Mittags-Leckerli reichen!

Ihnen ein schönes Wochenende und viel Spaß dabei, ob Sie sich nun selbst oder wen auch immer mit Nahrung versorgen!

Tierisch anstrengend

Um einen mehr oder weniger shittigen Storm im Vorfeld zu verhindern, erlauben Sie mir die nachfolgenden Hinweise: Ich bin kein Rassist und mag Spanier (sehen wir Mal von dem einen Typen ab, der mir in der Grundschule einst mehrfach die Mädchen ausgespannt hat, weil er so einen südländischen Charme besaß)!

Ich liebe auch Tiere, so lange es keine Mäuse sind, die mir alle möglichen Gegenstände auf dem Campingplatz beschädigen und dafür kleine schwarze Geschenke in Reiskorngröße hinterlassen, verbunden mit einer unangenehmen Duftnote.

Ich bin auch entsetzt über das Insektensterben. Lediglich bei Zecken sowie Pferdbremsen leiste ich sehr gerne aktive Sterbehilfe.

Während meiner Zeit in der Reha-Klinik war ich viel wandern und habe mich darauf gefreut, nach meiner Rückkehr den Hund zu schnappen und mit diesem weite Strecken durch den Taunus zu laufen. Ein Teil davon wurde wahr: ich wandere – nur nicht so weit und auch nicht zu den Zeiten wo mir nach Wanderung der Sinn strebt.

Schuld daran ist mein Hund, der von einer spanischen Tötungsstation gerettet wurde. Mag sein, dass ich hier ein Vorurteil habe, aber der beste Freund des Menschen gibt sich keinerlei Mühe, diese Schubladen-Denke meinerseits zu unterbinden.

Faydi liegt am liebsten in der Sonne und macht Siesta, so wie ich es von einem Spanier her auch erwarte. Er lässt Frauenaugen glänzen, wenn sie ihn sehen. Auch das entspricht dem Klischee bzw. meinen Erfahrungen aus der Schulzeit. Diesen Überschuss an Motivationsmangel legt er allerdings auch bei zu kaltem, wolkigem oder regnerischem Wetter an den Tag.

Warum auch immer: Eichhörnchen rennt er gerne hinterher. Doch so häufig wie ich sie brauchen würde, finde ich sie nicht in den Taunus-Wäldern. Die Tiere dafür zu züchten, erscheint mir zu aufwendig und auch wenig artgerecht.

Einfacher wäre es, eine Betonplatte hinter mir her zu ziehen, weil die einen nicht so vorwurfsvoll aus braunem Augen ansieht.

Kurzum: schon nach wenigen Minuten und noch wenigeren Metern vom Campingplatz entfermt, gebe ich entnervt auf. Als ob das nicht genug sei, gibt es dafür ein Nachtprogramm. Keine Ahnung wer die fernen Vorfahren meines Hundes waren, doch Wölfe waren es garantiert nicht. Grundsätzlich begrüße ich diese smarte Mentalität, doch nicht in Bezug auf seine Verdauung.

Doch davon und meinen nächtlichen Aktivitäten, da berichte ich Morgen. Heute versuche ich erst einmal den fehlenden Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Wie gut, dass ich hier ein Haustier habe, dass mich versteht.

🥴🤪

Der moderne Goldesel

Wieder einmal ist mir danach, eine Geschichte zu erzählen, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Es war einmal vor langer Zeit…

… wenn Menschen fleißig waren konnten sie viel Geld verdienen und bekamen dafür sogar unbefristete Arbeitsverträge. Wer damals nicht zu viel Geld benötigte, Der/Die brachte das Geld zu einer Bank bzw. Sparkasse oder einer Versicherung. Diese Institute waren darüber sehr froh, denn mit dem Geld der Sparer konnten sie große Projekte finanzieren oder Geld einfach nur verleihen. Der Sparer bekam viel Geld als Belohnung für seine Sparsamkeit und der Kreditnehmer musste satte Schuldzinsen zahlen, denn die Verleiher wollten natürlich auch etwas verdienen. Einen Kredit aufzunehmen lohnte sich einst daher nur im dringenden Fällen, beispielweise beim Bau eines Hauses.

So lebten Sparer und Kreditnehmer einträchtig mit den Geldinstituten zusammen.

Inzwischen holen sich die Banken nicht mehr mühselig Geld von Sparern. Das geht viel einfacher, bei der EZB. Da die Europäische Zentralbank für das Leihen nicht einmal mehr Geld verlangt, ist das nicht nur extrem praktisch sondern auch günstig. Günstig sind dadurch auch die Kredite und es gibt kaum noch etwas, was nicht auf Pump gekauft werden kann.

Was passiert, wenn ein Kunde den Kredit nicht mehr zurückzahlen kann, möchten Sie wissen? Dann wir eben ein Kredit für den Kredit aufgenommen und wenn irgendwann nichts mehr geht, dann ist das auch nicht schlimm. Die Banken wenden sich dann erneut an die EZB und aus einem Rettungsfond werden die Verbindlichkeiten beglichen.

Jetzt gibt es immer noch so bornierte Menschen, die mehr Geld einnehmen als ausgeben und die ihre Überschüsse nicht auf dem Aktienmarkt einbringen wollen.

Damit diese unangenehmen Sparer endgültig damit aufhören, die Banken mit ihrem Geld zu behelligen, werden diese in Bälde mit einem Strafzins belegt. Denn Geld anzunehmen und Tresore zu führen, in denen man das Bargeld einlagert, das kostet. Zeit also, dass der Sparer diesen Aufwand selbst trägt.

Was erwartet uns in naher Zukunft?

Kriminelle werden wieder häufig in den Wohnungen sogenannte Sparstrümpfe mit Bargeld entdecken. Doch wozu diese mitnehmen? Auf ein teures Sparbuch legen? Damit in den Supermarkt oder zum Aktienhändler gehen?

Vermutlich stehen dort bereits Warntafeln mit der Aufschrift: „Wir nehmen kein Bargeld und keine Kreditkarten mehr an. Zahlung erfolgt durch Abschluss eines Kredits. Der Aufwand hierfür beträgt nur wenige Sekunden!“

Schufa-Mitarbeiter und Einbrecher sind eindeutig Jobs ohne Zukunftsperspektiven.