Best(?)agers

Mieses Wetter draußen und damit das geeignete Wetter für ein ebenso mieses Thema.

Ich bin ja nun vor ein paar Tagen 58 Jahre alt geworden und das heißt: seit drei Jahren kann man mich schon kaufmännisch auf 60 aufrunden.

Da gibt es nun zwei Lager. Die Industrie, die den Jugendwahn vertritt. Wir sollen uns Kosmetika kaufen, diverse Sportgeräte ebenso und Fitnesstrainer reich machen. Jung zu sein oder wenigstens zu wirken, verheißt Erfolg im Berufsleben, in der Partnerschaft und der Gesundheit.

Wie überall, gibt es auch hier eine Opposition: diese Sehnsucht nach einem Altwerden ohne alt werden, macht uns krank und so als reifer Mensch hat man viele Vorteile auf seiner Seite. Wir haben mehr Erfahrung und kommen auch noch ohne Navi von A nach B. Haben wir einmal das Handy vergessen, bricht für uns nicht gleich eine Welt zusammen. Hinzu kommt: wie können vom Partner nicht mehr so einfach durch sexuelle Enthaltsamkeit erpresst werden. Hier haben wir Ollen uns zu erotischen Kamelen mutiert.

Doch selbst wenn es beide Lager nicht gäbe, so müsste ich ganz klar sagen:

Altern ist eine Bürde!

Woran merke ich, dass ich wach bin und das nicht träume? Weil irgend Etwas an mir weh tut!

Wenn ich meine Tabletten eingenommen habe, brauche ich eigentlich kein Frühstück mehr. denn ich bin bereits satt.

Gehe ich in ein Restaurant, bestimmt nicht meine Lust, was ich zu Essen bestelle, sondern das was meinem Herrn Magen bekömmlich ist.

Ging ich früher zu einer Veranstaltung, waren nur Alte da. Gehe ich nun irgendwo hin, bin ich nur von Jungvolk umgeben.

Treffe ich mich mit Gleichaltrigen, dann behandeln die Themen hauptsächlich Krankheiten und das Schlimmste daran ist: ich kann fast überall, durch eigene Erfahrungen, aktiv mitreden.

Doch das alles ist Kindergarten gegenüber dem, was sich äußerlich an meinem Körper abspielt:

Wenn ich an mir herunter sehe, kann ich nur noch die Schnalle meines Gürtels sehen, durch Vorbeugen.

Haarwurzeln sind unter die Kopfhaut versickert und haben Nase sowie Ohren erreicht. Es gruselt mich davor, wenn die Folikel erst einmal den Rachen erreicht haben und sich auf den Zähnen platzieren.

Selbst so einfache Dinge wie das Rasieren ändern sich. In jungen Jahren reichte es, sich alle drei Tage einer Rasur zu unterziehen. Das funktionierte dann auf straffer Haut im Nu. Jetzt muss ich einzelne Hautpartien mit der einen Hand straffen, während ich mit der anderen Hand den Rasierer benutze. Jedes Mal eine motorische Meisterleistung.

Also was auch immer man uns Alten einzureden versucht: der goldene Herbst des Lebens ist alles andere als goldig!