Fleischliche Lust

Es gibt bekanntlich ein Lager, das jeglichen Fleischkonsum verdammt, weil es Tieren das Leben kostet und die andere extreme Klientel, für die Fleisch Religion ist.

Ich selbst gehöre zu den Schwachzehrern und zugleich auch Realitätsverleugnern, denn müsste ich ein Tier selbst schlachten, wäre ich garantiert Veganer. Am liebsten sind mir Fischstäbchen, Würstchen und ein Fleischpattie im Burger, weil man denen noch am wenigsten ansieht (und meist auch schmeckt), dass es da tierische Ursprünge gibt.

Ich finde es schlimm, dass Tiere dafür sterben müssen, um von uns verzehrt zu werden. Ich finde es noch schlimmer, dass wir nur einen Bruchteil eines Tieres verwerten und nur mit etwas Glück landen die Schlachtabfälle nicht auf einer Deponie. Noch schlimmer – also schlimmerer – ist für mich die Tatsache, dass für viele Tiere der Tod die Erlösung ist, nach einer Aufzucht unter übelsten Bedingungen bzw. beim brutalen Transport zu den Schlachthöfen.

Also ist die Idee grundsätzlich nicht schlecht, die Steuer auf 19 Prozent für Fleischprodukte heraufzusetzen, auf geringeren Verzehr zu hoffen und von den Zusatzeinnahmen das Tierwohl fördern zu wollen. Gleichzeitig sinkt der CO2-Ausstoss und wir können die Dieselfahrzeuge wieder ohne schlechtes Gewissen in die Städte fahren lassen. Eine märchenhafte Lösung!

Jedes Märchen hat jedoch ein Problem: Es ist erfunden und besitzt nur begrenzten realen Hintergrund.

Schon jetzt wird dem Konsument mit irgendwelchen Stempeln auf Waren vorgegaukelt, das sie Öko sind oder es tolle Lebensbedingungen für das Schlachtvieh gab.

Können so große Produzenten wie beispielsweise Gutfried oder die Molkerei Müller, deren Produkte von einem großen Netz aus Zutaten von Zulieferern gefertigt werden, tatsächlich garantieren, dass im Hintergrund nicht gemauschelt wird? Ich denke nicht, denn diese permanenten Kontrollen wären viel zu kostenintensiv! Da wird ein Vertrag unterschrieben, in dem man gewisse Punkte festhält, damit man damit werben kann. Doch wie der ungarische Truthahn-Lieferant dann tatsächlich seine Vögel züchtet, das ist egal, so lange der Preis stimmt.

Was passiert demnach wirklich, wenn tierische Erzeugnisse teurer werden?

Dem wohlhabenden Menschen ist es Wurst was sein Fleisch kostet. Schon jetzt verzehren manche Personen ihr Steak mit einer Gold-Platinierung, um einfach vom Billig-Image der tierischen Erzeugnisse wegzukommen. Es gibt bereits Zeitungen, die sich nur mit dem Thema Fleischzubereitung beschäftigen. Diese Ilustrationen werden wie Pilze aus dem Boden schießen und Auflagen ähnlich der von Motorsport-Magazinen erzielen, wenn Fleisch erst einmal Luxusstatus erhält. „Beef“ der „Playboy“ von Morgen?

Die armen Bürger könnten freilich auf Gemüse und Fleischersatzprodukte umsteigen, doch da die ebenfalls teuer sind, wird das nicht wirklich eine Option sein. Im Segment der Kleinverdiener wird sich am Verkaufsverhalten kaum was ändern.

Was passiert mit den Mehreinnahmen?

Einen Großteil wird erst einmal die Entwicklung der Regularien aufzehren. Dann braucht es einer Behörde, die sporadische Überwachungen durchführt. Wenn diese Inspektionen natürlich nur alle paar Jahre stattfinden und das möglichst noch mit Vorankündigung, werden die Institutionen nie Problemfälle antreffen.

Sollten die Mehreinnahmen tatsächlich bei den Züchtern landen, wäre natürlich eine Option, dass man für mehr Welleness bei den Tieren sorgt. Möglichkeit Zwei: es wird sich seitens Empfänger einfach über die Mehreinnahmen gefreut. Gute Laune hilft dann vielleicht tatsächlich ein wenig beim freundlicheren Umgang mit dem Vieh. Variante Drei: das fleischverarbeitende Unternehmen bekommt natürlich mit, dass die Züchter subventioniert werden. Höchste Zeit also, dass noch bessere Konditionen ausgehandelt werden. Wohlgemerkt: nicht für die Tiere oder die Züchter!

Sie meinen, ich sehe das gar zu negativ?

Dass die Auspreisung einer Ware sich nicht auf den Anfang einer Produktionskette auswirkt, dafür ist das beste Beispiel Apple. Bei dem hohen Preis eines iPhone oder iPad sollte man annehmen, dass die Hersteller der Bauteile die am fairtradigsten behandelten Mitarbeiter haben müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Durch die hohe Stückzahl diktiert Apple den Herstellungspreis und nur Vorstände und Aktionäre von Apple verdienen sich eine goldene Nase daran, dass der Kunde so viel Geld für sein Gerät zu zahlen bereit ist.

Wenn ich also an einer Theke ein teures Stück Fleisch kaufe und irgendein buntes Wappen klebt auf der Verpackung, ist es immer noch fraglich, ob es dem Tier vor seinem Tod gut ging oder nur dem Hersteller!