E-Sex

Ich kann mich noch gut an die Zeit meiner Sturm- und vor allem Drangphase erinnern. Stand damals keine geeignete Frau zur Verfügung, um den Drang nach körperlicher Vereinigung zu befriedigen, war es nicht leicht, die Hilfsmittel für die Selbstversorgung zu ergattern.

Bestellte ich Ware bei Beate Uhse, so konnte die Verpackung noch so anonym sein: der Postbote grinste feist bei der Übergabe des Paketes aus Flensburg an mich.

Die Alternative: eine Fahrt in die Großstadt – und hier mit der Option, sich entweder mit einem mulmigen Gefühl durch das jeweilige Schmuddelviertel zu bewegen oder – mit fast gleichwertigem Unbehagen – vor einem Erotikshop in der Fußgängerzone herumzubummeln. Es ging darum, den richtigen Moment abzuwarten, wo möglichst wenig Menschen mitbekommen würden, welchen Shop man gerade zu besuchen gedachte.

Doch eines war auch klar: wenn man auf eine bekannte Person in der großen Stadt stoßen würde, dann war das genau jetzt einer der Momente, oder – noch wahrscheinlicher – beim Verlassen des Erotikladens. Doch selbst wenn das ausnahmsweise mal anonym funktionierte: der Heimweg wurde zum Spießrutenlauf.

Jeder halbwegs gebildeten Person war klar, dass dieser neutrale braune Beutel den ich bei mir trug, gefüllt sein musste mit sexuellen Stimulationsmitteln. Genauso gut hätte ich mir einen Zettel auf die Stirn kleben können, mit der Aufschrift: „Ich bin Single – ich mache es mir selbst!“

Warum ich das erzähle?

Vibratoren und Geräte deren Funktionsweise sich aus der Form mir nicht sofort erschließt, die werden heute ständig im TV beworben. Selbstbefriedigung ist keine notgedrungene Alternative mehr. Liefert einem Eis.de ein Paket, so weiß der Bote, dass es sich zwar um ein Genussmittel handelt, jedoch nicht zum Verzehr geeignet ist. Doch es wird kein Grinsen mehr erzeugen und es beweist auch nicht, dass ich Empfänger Single bin. Vielleicht will ich einfach nur die Elektronik die Vorarbeit an meiner Partnerin durchführen lassen, bevor ich dann dazu stoße!

So erleben wir wieder eine neue Epoche der sexuellen Entwicklung.

  1. Phase vor noch 100 Jahren: bekam die Frau einen Orgasmus, war das rein zufällig
  2. Phase vor ca. 50 Jahren: bekam die Frau keinen Orgasmus, lag es nicht am Mann
  3. Phase vor ca. 10 Jahren: bekam die Frau keinen Orgasmus, lag es am Mann
  4. Neuzeitliche Phase: bekommt die Frau keinen Orgasmus, hat sie nicht die geeigneten Hilfsmittel

So war vor 100 Jahren jede Person selbst für ihre Befriedigung verantwortlich und ist es – dank moderner Technik – heutzutage wieder erneut.

 

 

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Kinder vs. Vorstände

Wenn meine Schwester oder ich einst etwas angestellt hatten, gab natürlich keiner von uns beiden zu, etwas angestellt zu haben. Das führte allerdings dazu, dass wir Kinder stets beide von den Eltern bestraft wurden.

Nicht gerade clever von uns und besonders bitter für die jeweils unschuldige Person. Doch wir lebten in einer wahren Solidargemeinschaft. Geteiltes Leid war nicht halbes Leid – jedoch ein gemeinsames.

Hätte man uns Kinder damals in eine Art Vorstandsfunktion erhoben, mit einem Taschengeld in astronomischer Höhe, wären wir zu einer vierstufigen Handlungsweise gezwungen gewesen:

  1. Stufe: Die Verurteilung des Tatgeschehens
  2. Stufe: Der Erklärung, nichts von den üblen Vorgängen gewusst zu haben
  3. Stufe: Die Bereitschaft verkünden, alles für eine lückenlose Aufklärung zu unternehmen
  4. Stufe: Hinrichtung des Hamsters, Wellensittich, Katze, Hund oder des Nachbarjungen – was/wer immer sich auch anbietet, zur Schaffung einer besseren Stimmungslage geopfert zu werden.

Doch weil wir im Kleinkindalter noch kein BWL studiert hatten und keinen Vorstandsposten in unserer familiären Gemeinschaft innehielten, mussten wir für alles selbst geradestehen, was wir anstellten. Nicht einmal eine Bonuszahlung haben wir erhalten.

Da soll noch einer sagen, dass die Kindheit eine schöne Zeit sei!

 

Extreme Urlaubing

Bungee-Springen ist was für Weicheier – ebenso Freeclimbing!

Wer einen richtigen Adrenalinschub erfahren will, geht heutzutage anders vor:

Buchung eines Urlaubs – in Deutschland und für besonders risikofreudige Menschen: in den ersten oder den letzten drei Monaten eines Jahres!

Ein Aufenthalt an der Nord-/Ostsee oder in den Bergen kann da zur persönlichen Grenzerfahrung werden; Stürme, Überschwemmungen, Schneechaos – alles ist denkbar.

Milde Temperaturen, wie wir sie beispielweise jetzt die ganze Zeit hatten und nach denen sich so mancher Sommerurlauber in Deutschland im Monat August sehnt, sind ebenso zu möglich, wie zweistellige Minusgrade. Eine Reise im März kann dann zu einem Winter- oder auch Sommerurlaub mutieren. Wenn da überhaupt etwas kalkulierbar ist, dann das: packe keine gefütterten Klamotten ein und es wird garantiert schweinekalt. Das Wort Reizklima bekommt eine völlig neue Bedeutung, wenn man genervt feststellt: „Ich bin völlig falsch ausgestattet!“

Wem das alles noch zu wenig „risky“ ist, dem empfehle ich zusätzlich die Reise mit der Bahn oder dem Flugzeug – ohne irgendwelche Erstattungsgarantien. Das muss ein Zittern nicht unbedingt vom Wetter her resultieren und eher nervlich sein.

Es kommen eben nur die Harten in den (deutschen) Garten!

Von Sturm und Stürminnnen

Sturm Friederike ist über Deutschland hinweg gerast und auch auf die Gefahr hin, dass man mich für frauenfeindlichen Typen hält: ich finde es passend, dass dieser Sturm einen weiblichen Namen trug!

Wieso ich das so sehe?

Meine Erfahrung als Autofahrer lehrte mich das, bei werktäglich 80 Kilometer Fahrt von und zur Arbeitsstätte. In meiner Jugend fuhren wir gerade mal auspubertierten Kerle, mit Adrenalin und Testosteron bis zum Anschlag bepackt, unsere Autos. Die Kisten waren Wunderwerke der Technik, denn es erstaunte oft, dass diese alten Mühlen überhaupt noch eine TÜV-Plakette erhalten hatten. Dann hieß es: fahren bis zum Limit. Mädels fuhren besonnener und schienen auch nicht so heiß auf den Führerschein zu sein.

Wenn mir heute ein Wagen fast schon im Auspuffrohr hängt, mich schneidet oder durch andere, schon leicht aggressiv anmutende (aber nicht anmutige) Manöver meine erhöhte Aufmerksamkeit fordert, dann sitzt meist eine junge Frau am Steuer.

Ich habe da so einen Verdacht: der frischgebackene Mann der Gegenwart will keinen Frauen mehr imponieren oder ist auf der Suche nach einer solchen. Erotik lässt sich virtuell verwirklichen und so eine Freundin, die will echte Treffen, die enorm viel Online-Zeit verpulvern. Wozu also durch einen Führerschein da was riskieren?

Es ist statistisch nachgewiesen, dass junge Männer wesentlich länger im Hotel Mama bleiben. Im beiderseitigen Idealfall: durch eine längere Schulbildung bedingt. Im einseitigen Idealfall: weil Hans überhaupt nicht mehr lernen will, was er bereits als Hänschen nicht gelernt hat. So lange der heimische Lieferheld auf ein rufendes „Mama“ oder „Papa“ reagiert und die elterlichen Services funktionieren, besteht kein Bedarf die Wohnung zu verlassen – erst recht nicht wegen eines Jobs.

Wäre Sturmtief „Friederike“ ein „Daniel“ oder „Tom“ gewesen, würden wir jetzt noch auf diesen Orkan warten. Vermutlich käme er erst nach diversen Aufforderungen der Wetterfrösche und mehr als ein chillig laues Lüftchen wäre daraus nicht geworden.

😉

made in whatever

„Lass uns doch mal wieder zum Chinesen gehen!“

Wenn Sie demnächst diese Aufforderung erhalten, bedeutet das wohl nicht zwingend die Qual der Wahl, ob man mit Stäbchen oder mit regulärem Besteck seine asiatischen Köstlichkeiten zu sich nimmt.

Womöglich will nur jemand mit Ihnen Kleidung shoppen gehen.

So wie es nämlich aussieht, wird die renommierte Kette C&A an einen chinesischen Investor verhökert.

Aber was soll´s: ist ohnehin kaum noch ein größeres Unternehmen in deutscher Hand und wenn, dann lässt es meist im Ausland produzieren. So, wie wir für den Brückenbau Stahl aus Asien herankarren lassen, weil der günstiger ist, als das Pedant aus dem Ruhrpott. Da spart der eine Bereich dann beim Straßenbau das Geld, was man hinterher für die Werksschließungen wieder für die entlassenen Mitarbeiter benötigt. Aber dafür zuständig ist eine andere Person als Budgetverantwortliche. Ohne Milch und ohne Mädchen, gibt es eben keine solche Rechnung.

Aber natürlich exportieren wir auch weiterhin: unseren Müll in Drittländer!

Merkwürdiges Phänomen zum Jahresende

Als ich gestern Nachmittag ins Freie ging, hatte ich ein kurioses Erlebnis:

War das Ozonloch gerissen?

Hatten Menschen bereits vorzeitig Silvesterraketen verschossen, die dem Himmel eine seltsame aber durchaus ansehnliche Verfärbung bescherten?

Hatte sich bei mir die weihnachtliche Völlerei auf den Verstand niedergeschlagen und mir die Sinne manipuliert.

Hatte ich womöglich an einem Geldschein geschnuppert und mir damit eine Portion Rest-Kokain von der Oberfläche reingezogen? (Angeblich soll ja ein beträchtlicher Teil unserer Papierwährung damit verunreinigt sein)
Vielleicht halten Sie mich für einen Spinner, doch es regnete gestern einmal nicht und ich sah hellblaue Flecke am Firmament!

Ich schwöre, dass ich es so erlebt habe!

Ja, ich hatte einst Bücher gelesen, in denen von weiße Winterlandschaften, bei strahlender Sonne mit blauem Himmel berichtet wurde, doch ich dachte, das seien Fantasieprodukte oder Berichte aus Alaska oder der Antarktis.

Ich muss unbedingt einen Psychologen kontaktieren und hoffentlich bekomme ich noch so zeitnah einen Termin, dass ich mich an dieses Erlebnis noch erinnern kann. Vielleicht kann er mir ein Medikament verabreichen, dass mir regelmäßig eine solche herrliche Erfahrung schenkt, blauen Himmel zu sehen.

Vorsorglich schnuppere ich auch nochmal an den paar Scheinen in meiner Brieftasche… blauer Himmel… das war so genial anzusehen… einfach der Hammer!

Alle Jahre wieder

Die Festtage sind vorbei und damit auch mal wieder die Zeit, wo wir von den TV-Sendern unaufhörlich mit Weihnachtsmännern in der Werbung behelligt werden. Die unzähligen Clips von Parfums weichen und lassen wieder Platz für die wild gestikulierende Wäscheexpertin/Schauspielerin Amy Sedaris, damit sie -gefühlt unstopable- von ihrem Produkt schwärmen kann. Auch die Kinder Pinguis werden langsam wieder mit den anderen Ferrero-Produkten über den Bildschirm wackeln.

Doch am meisten wird es mich freuen, wenn endlich die Telekom aufhört, uns derart heftig mit Werbung zu penetrieren. Fand ich das am Anfang noch ganz witzig, wenn Justin Bieber um ein junges Mädel tänzelte, wurde mir nach der zwanzigsten Wiederholung an einem Tag einiges klar:

  1. Ich war schon wieder mehr als 2 Stunden vor der Glotze
  2. Ich würde ganz sicherlich nicht einen teuren Magenta-Tarif buchen, um damit die Telekom zu motivieren, noch mehr Geld aus dem Gewinnen in die Werbung zu pulvern. Wir werden also keine „Friends“!
  3. Ich bin noch nicht senil – mein Kurzzeitgedächtnis funktioniert noch gut

Mal sehen, was uns demnächst in der Osterwerbung erwartet.

Doch bis dahin erst einmal ein schönes Restjahr 2017!