Hoch her in Hochheim

Für rein wissenschaftliche Zwecke unterziehe ich mich derzeit einen 5-tägigen Selbstversuch. Es geht um das Paradoxon, dass ein permanentes Füllen des Körpers mit alkoholhaltigen Flüssigkeiten zu einer Leere im Hirn führt.

Ideal sind hierbei die aktuellen Testbedingungen: Hochheimer Markt

Ist Alkohol leichter als Blut (und steigt deshalb in den Kopf), doch schwerer als Intelligenz, welche offensichtlich verdrängt wird?

Falls ich noch zu Formulierungen fähig bin, lasse ich Sie das Ergebnis nach dem Markt wissen.

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Schonzeit für den Jägermeister

Die letzte Jahre haben wir immer im Frühling an einem Tümpel eine Reinigungsaktion gestartet, die von der Stadt unter der Bezeichnung „Sauberhaftes Hochheim“ unterstützt wurde.

Jedes Jahr bin ich erneut verblüfft, wie dieses Areal zugemüllt wird. 50 und mehr Jägermeisterflaschen, eine zweistellige Zahl Vodkapullen und Zigarettenschachteln bis hin zu Autobatterien sowie Pizza- und Döner-Verpackungen „wachsen“ da im kleinen Wäldchen.

Traurig, dass der Stadt offenbar die Mittel gestrichen wurden, diese Aktion auch dieses Jahr wieder durchzuführen.

Das Leergut von Jägermeister & Co. wird also in diesem Jahr von einer Aufsammlung verschont bleiben, denn den Müll nun ohne Greifergabeln aufzusammeln und in kleineren Fuhren mit dem PKW zur Deponie zu fahren, dazu habe ich dann auch keine Lust und vor allem nicht das Geld. 

Und da sind wir schon beim Kern meines heutigen Blogs:

Während das Geld für Reinigungsaktionen fehlt, scheint es den Konsum daran nicht zu mangeln. Denn die Alkohol-Flaschen mussten zunächst einmal gekauft werden, um dann ihre Entsorgung in der Natur zu finden.

Schön wäre es, wenn weniger erworben würde, weil das Geld dafür nicht mehr so locker sitzt.

Und wird weniger veräußert, lassen sich die Konsumprodukterzeuger neue Wege einfallen, wie die Verpackungsaufwände reduziert werden können.

Wenn beispielsweise der Jägermeister nur noch direkt in die private Flasche abgefüllt wird, schmeißt der junge Trinker diese wohl nicht lässig in den Wald, denn morgen ist ja auch noch ein Tag wo man Durst auf den Kräuterschnaps hat.

So aber landen die grünen Flaschen weiterhin auf dem Bauch von Mutter Natur, getreu dem Werbespruch des Likörherstellers mit dem Hirschgeweih im Logo:

Wer, wenn nicht wir!

Sauberhaftes Hochheim

Ich bin seit 4 Jahren Bürger von Hochheim am Main und beteilige mich jedes Jahr an der Aktion „sauberhaftes Hochheim“.

Hier werden Vereine sowie Bürger dazu aufgefordert, sich an der Reinigung ihrer Stadt zu beteiligen. Meine Frau und ich sind dann immer in einem Areal mit Tümpel in der Nähe der Sportplätze aktiv.

Jedes Jahr bin ich erstaunt, wie und mit was man in so kurzer Zeit ein Biotop vollmüllen kann.

Zugegeben: es entbehrt nicht einer gewissen Logik, dass extrem viel Jägermeister in dem Wäldchen vorzufinden ist – zudem mein Lieblingsgetränk, weil die Flaschen so stabil sind, dass sie in der Regel nicht zersplittert das aufsammeln erschweren, wie oft bei anderen Spirituosen die in der Natur verzehrt wurden.

Normalerweise stehe ich nicht auf diesen Kräuterlikör, war er doch in meiner Jugend ein Altherren-Getränk. Allerdings dank geschickter Werbung ist das Zeug seit einigen Jahren wieder Kult bei der jüngeren Generation und die tut sich wohl mit dem Thema Altglas-Entsorgung recht schwer.

Doch nur die Jugendlichen zu verdammen, wäre sicherlich falsch. Heizungsthermostate oder Fliesen, Autobatterien und Aluleitern dürften wohl eher nicht zu dem Equipment gehören, das unser Nachwuchs zu einer Party mit nimmt.

Eine hohe Zahl Plastik-Blumentöpfe und Verpackungen von Gartenzubehör sind Indiz dafür, dass wohl auch einige Personen aus den anliegenden Schrebergärten der Ansicht sind, dass mit der Instandhaltung des eigenen Areals genug des Guten getan ist.

Ebenfalls verblüfft haben mich die vielen Plastik-Beutel gefüllt mit Hundekot. Das große Geschäft seinen Lieblings aufzusammeln ist schon ein erster lobenswerter Schritt. Doch was haben diese schwer verrottbaren schwarzen Beutel denn in den Gebüschen zu suchen?

Mit besagter gefundenen Aluleiter war es mir möglich, aus der Krone einer Dornenhecke einen großen weißen Plastikbeutel zu entfernen. Als mir dieses ziemlich riskante Manöver gelungen ist, befanden sich darin leere Flaschen.

Fazit: dieser Beutel wurde nicht durch Wind in die hohe Hecke geweht sondern bewusst dort hineingeworfen. Was geht in dem Kopf einer Person vor, wenn sie so eine Aktion ausführt? Ist das eine extreme Form von Humor oder ist da nur ein ziemlich großes Vakuum im Schädel?

Ich glaube nicht daran, dass man durch Appelle die Menschen ändern kann, die derart unsensibel mit sowie in ihrer Umwelt agieren!

Mein Aufruf richtet sich an all die Menschen, die engagiert genug sind, solche Säuberungs-Veranstaltungen zu organisieren sowie den Helfern, die einen halben Wochenendtag auch bei Regen opfern, um diesen Unrat zu entfernen.

So lange es Verrückte gibt, die den Dreck weg machen, den andere Verrückte verursachen, so lange hat die Natur eine Chance.

Leider wird die Menge der Umweltverschmutzer augenscheinlich nicht weniger – doch wenn die Zahl derer sinkt, die diesen Abfall beseitigen – dann haben wir noch noch Mülldeponien um unsere Wohnsiedlungen.

Also seid bitte wieder dabei im nächsten Jahr, damit unser Hochheim wirklich „sauberhaft“ wird!