Wo ein Wille ist, ist noch lang nicht alles weg.

Ich habe nahe an einem Kohlekraftwerk gelebt und wenn ich im Bad die Kacheln gereinigt hatte, war ich immer wieder erstaunt, was das für eine braune Brühe im Wassereimer hinterließ. Insofern weiß ich durchaus, was man den Bewohnern im Umfeld durch diese Art der Energiegewinnung zumutet.

Doch überrascht hat mich, als ich las, dass in den Kohlekraftwerken ein Fünftel der Heizleistung nicht durch das Verbrennen von Kohle, sondern durch Klärschlamm erzeugt wird. Fallen die Kohlekraftwerke weg, bleiben wir auf dem Klärschlamm sitzen. Würde dieser für sich alleine verbrannt, bekommen die Anwohner in konzentrierter Form die Schadstoffe ab, die früher mit 80 Prozent Kohleanteil „verdünnt“ wurden.

Wir wollen Strom – aber keine Leitungen für den Transport von den Küsten in den Süden. Wir wollen auch keine hässlichen Windkrafträder vor der Haustür, keinen Atomstrom und keine Kohlekraftwerke. Erst Recht möchten wir keinen Klärschlamm verbrannt oder gelagert wissen, die Abwässer sollen aber auch gereinigt werden. Wir lieben Konsum und hygienische Verpackungen, aber den Müll, den mögen wir nicht.

Irgendwann wird man feststellen, dass all diese Probleme mit einem Schlag zu beseitigen wären:  durch die Abschaffung des Menschen!

Doch das wollen wir sicherlich auch nicht!

Was wollen wir denn?

MAOAM hilft jedenfalls auch nicht weiter.

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Natürlich verdreckt

Es ist einfach herrlich, zu dieser Jahreszeit morgens mit dem Hund Gassi zu gehen. Bunt erstrahlt der Abfall in den Büschen am Wegesrand, der wohl bei abendlichen Partys produziert wurde. Leere Flaschen Wodka und Jägermeister zeigen, dass diese feiernden Menschen sehr wohl auf ihren Flüssigkeitshaushalt geachtet haben. Weniges, zersplittertes Glas weist darauf hin, dass der Kräuterlikor wie auch das Kartoffel-Destillat in extrem robuste Flaschen abgefüllt wurde. Hier macht sich deutsche wie auch russische Wertarbeit wohltuend bemerkbar.

Herrlich auch diese frische Morgenluft, welche an manchen Stellen durch ein herb-würziges Aroma ihre überraschende Abwechslung findet, weil die anliegenden Schrebergarten-Besitzer ihre Chemie-Toiletten im gegenüberliegenden Wäldchen entleert haben. Wahre Naturliebhaber und Puristen erleichtern sich gleich direkt dort vor Ort.

Was wollen uns die Anrainer damit sagen? „Verpisst euch!“ oder „Wir sind nicht für jeden Scheiss zu haben!“?

Wie wohltuend empfindet man dann als Spaziergänger den Geruch der Luft, wenn sie irgendwann wieder aufhört zu riechen, da man weit genug von der Gartensiedlung entfernt ist und endlich wieder durch zubetonierte Gebiete läuft.

All das lässt mich beim Gassigehen jubelnd erkennen: „Heissa, es ist Sommer hier in Hochheim!“

Neue Pflanzenspezies

Schauen Sie doch mal, welch seltsame Pflanzen bei uns in der Bewaldung wachsen!

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Es handelt sich um zwei Exemplare von sehr metallhaltigen Korbblütlern, die normalerweise in größeren Gruppen im Bereich von Supermärkten anzufinden sind.

Doch nun einmal ernsthaft:

Mai 2015: Ich mache eine grausige Entdeckung. Zwei Einkaufswagen wurden achtlos in einem kleinen Wäldchen ausgesetzt. Da diese Teile richtig teuer sind, rufe ich bei der Polizei an und man verspricht mir, das städtische Bauamt davon zu unterrichten.

Juli 2015: Noch immer befinden sich die Einkaufswagen in den Büschen und dazu noch in einer außerordentlich guten Verfassung. Doch was bedeutet das konkret? Entweder hat die Polizei die Info nicht weitergeleitet oder das Amt die Meldung erfolgreich verdrängt.

Wirklich richtig irritiert mich allerdings ein anderer Umstand:
Da laufen tagtäglich Menschen an dieser Stelle vorbei und es kann doch nicht sein, dass ich wirklich die einzige Person war, die Meldung gemacht hat! Sind wir alle so ignorant oder wo sitzt die Stelle, die dafür verantwortlich ist, dass nichts passiert? Hofft man etwa, dass die Teile zuwuchern oder im nächsten Frühjahr sich Nachwuchs in Form von kleinen Einkaufskörbchen bildet?

Ich warte noch eine Woche, dann werde ich den passenden Markt zu den teuren Einkaufswagen aufsuchen. Mal sehen ob dann was passiert. Selbst hinschieben werde ich die Teile allerdings nicht. Denn garantiert sieht mich jemand um zeigt mich wegen Diebstahls an.

Sauberhaftes Hochheim

Ich bin seit 4 Jahren Bürger von Hochheim am Main und beteilige mich jedes Jahr an der Aktion „sauberhaftes Hochheim“.

Hier werden Vereine sowie Bürger dazu aufgefordert, sich an der Reinigung ihrer Stadt zu beteiligen. Meine Frau und ich sind dann immer in einem Areal mit Tümpel in der Nähe der Sportplätze aktiv.

Jedes Jahr bin ich erstaunt, wie und mit was man in so kurzer Zeit ein Biotop vollmüllen kann.

Zugegeben: es entbehrt nicht einer gewissen Logik, dass extrem viel Jägermeister in dem Wäldchen vorzufinden ist – zudem mein Lieblingsgetränk, weil die Flaschen so stabil sind, dass sie in der Regel nicht zersplittert das aufsammeln erschweren, wie oft bei anderen Spirituosen die in der Natur verzehrt wurden.

Normalerweise stehe ich nicht auf diesen Kräuterlikör, war er doch in meiner Jugend ein Altherren-Getränk. Allerdings dank geschickter Werbung ist das Zeug seit einigen Jahren wieder Kult bei der jüngeren Generation und die tut sich wohl mit dem Thema Altglas-Entsorgung recht schwer.

Doch nur die Jugendlichen zu verdammen, wäre sicherlich falsch. Heizungsthermostate oder Fliesen, Autobatterien und Aluleitern dürften wohl eher nicht zu dem Equipment gehören, das unser Nachwuchs zu einer Party mit nimmt.

Eine hohe Zahl Plastik-Blumentöpfe und Verpackungen von Gartenzubehör sind Indiz dafür, dass wohl auch einige Personen aus den anliegenden Schrebergärten der Ansicht sind, dass mit der Instandhaltung des eigenen Areals genug des Guten getan ist.

Ebenfalls verblüfft haben mich die vielen Plastik-Beutel gefüllt mit Hundekot. Das große Geschäft seinen Lieblings aufzusammeln ist schon ein erster lobenswerter Schritt. Doch was haben diese schwer verrottbaren schwarzen Beutel denn in den Gebüschen zu suchen?

Mit besagter gefundenen Aluleiter war es mir möglich, aus der Krone einer Dornenhecke einen großen weißen Plastikbeutel zu entfernen. Als mir dieses ziemlich riskante Manöver gelungen ist, befanden sich darin leere Flaschen.

Fazit: dieser Beutel wurde nicht durch Wind in die hohe Hecke geweht sondern bewusst dort hineingeworfen. Was geht in dem Kopf einer Person vor, wenn sie so eine Aktion ausführt? Ist das eine extreme Form von Humor oder ist da nur ein ziemlich großes Vakuum im Schädel?

Ich glaube nicht daran, dass man durch Appelle die Menschen ändern kann, die derart unsensibel mit sowie in ihrer Umwelt agieren!

Mein Aufruf richtet sich an all die Menschen, die engagiert genug sind, solche Säuberungs-Veranstaltungen zu organisieren sowie den Helfern, die einen halben Wochenendtag auch bei Regen opfern, um diesen Unrat zu entfernen.

So lange es Verrückte gibt, die den Dreck weg machen, den andere Verrückte verursachen, so lange hat die Natur eine Chance.

Leider wird die Menge der Umweltverschmutzer augenscheinlich nicht weniger – doch wenn die Zahl derer sinkt, die diesen Abfall beseitigen – dann haben wir noch noch Mülldeponien um unsere Wohnsiedlungen.

Also seid bitte wieder dabei im nächsten Jahr, damit unser Hochheim wirklich „sauberhaft“ wird!