Kinder vs. Vorstände

Wenn meine Schwester oder ich einst etwas angestellt hatten, gab natürlich keiner von uns beiden zu, etwas angestellt zu haben. Das führte allerdings dazu, dass wir Kinder stets beide von den Eltern bestraft wurden.

Nicht gerade clever von uns und besonders bitter für die jeweils unschuldige Person. Doch wir lebten in einer wahren Solidargemeinschaft. Geteiltes Leid war nicht halbes Leid – jedoch ein gemeinsames.

Hätte man uns Kinder damals in eine Art Vorstandsfunktion erhoben, mit einem Taschengeld in astronomischer Höhe, wären wir zu einer vierstufigen Handlungsweise gezwungen gewesen:

  1. Stufe: Die Verurteilung des Tatgeschehens
  2. Stufe: Der Erklärung, nichts von den üblen Vorgängen gewusst zu haben
  3. Stufe: Die Bereitschaft verkünden, alles für eine lückenlose Aufklärung zu unternehmen
  4. Stufe: Hinrichtung des Hamsters, Wellensittich, Katze, Hund oder des Nachbarjungen – was/wer immer sich auch anbietet, zur Schaffung einer besseren Stimmungslage geopfert zu werden.

Doch weil wir im Kleinkindalter noch kein BWL studiert hatten und keinen Vorstandsposten in unserer familiären Gemeinschaft innehielten, mussten wir für alles selbst geradestehen, was wir anstellten. Nicht einmal eine Bonuszahlung haben wir erhalten.

Da soll noch einer sagen, dass die Kindheit eine schöne Zeit sei!

 

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Von Schuld und Schulden

Wenn nach der Aufnahme eines Berufes festgestellt wird, dass man die Zertifikate, Zeugnisse und den Lebenslauf gefälscht hat, erhält man in der Regel die Kündigung, es sei denn man hat sich als toller Mitarbeiter bewährt oder es besteht die Gefahr, dass man der entscheidenden Stelle Schlamperei unterstellen kann. In diesem Fall wird man dort die Vertuschungen vertuschen wollen.

Anders kann ich mir das bei Griechenland auch nicht vorstellen, denn nach deren Beitritt zu EU stellte man fest, dass die überlassenen Daten zur Beitrittsentscheidung falsch waren und nicht nur das, auch anschließend wurden stets falsche Zahlen geliefert, um den Mitgliedschaftsvorgaben gerecht zu werden. Doch niemand wollte die Verantwortung dafür übernehmen.

Vereinfacht dargestellt: da sollte jemand nur Schüssel kaufen und hat sich ein Sieb andrehen lassen. Damit das nicht auffällt, wurde immer schön Wasser nachgegossen, um das Teil nicht leerlaufen zu lassen.

Der gemeine Grieche darf nun am Wochenende entscheiden auf welche Art er seinen verbliebenen Wohlstand verliert, doch auch wenn erst einmal alles ausgetrocknet ist, so scheint mir die Rückkehr zu alten Blechschüssel namens Drachme immer noch die bessere Option zu sein, als ein paar gestopfte Löcher am Euro-Sieb.

Der wohlhabende Grieche hat seine Euros schon längst aus dem Lande gebracht und ganz ehrlich: wenn ich ein solcher wäre, hätte ich es dem gleich getan.

Die Banken werden schon Wege finden, um über dubiose Geschäftsmodelle die verlorene Kohle zurück zu erhalten und den Rest tragen die Bürger Europas in unterschiedlichen Höhen.

Eines haben wir mit allen Menschen auf der Welt gemeinsam: wo es ein soziales Gefälle gibt, fließt der Dreck immer von oben nach unten und für den Mensch an der Talsohle sieht nicht nur alles beschissen aus – es ist so.