Umwelt-Ferkeleien

Heute nutze ich mal die Gelegenheit, mir selbst an die großzügig dimensionierte Nase zu fassen.

Ja, ich bin gegen den Verpackungsirrsinn und es macht mich wahnsinnig, wenn beispielweise eine Praline mehr Lagen aufweist, als mein Super-Soft-Klopapier daheim. 25 Gramm Verpackungsmaterial beseitigen, um an 3 Gramm Leckerei zu gelangen, das ist krass.

Behälter, die aussehen, als wäre ein Liter Inhalt darin (was es ursprünglich bestimmt auch mal war), sind mittlerweile bis zu einem 5tel nur noch mit Luft gefüllt. In manchen Gegenden ist das allerdings die einzige Möglichkeit, mal an Frischluft zu gelangen.

Ich verurteile diesen Verpackungswahn, doch wenn ich die Wahl habe, mich lange an irgendeiner Theke für Fleisch oder Gemüse anzustellen, aber das Zeug in Folie eingeschweißt „on the fly“ einzupacken, dann packt mich doch die schnelle Lösung. Temporär deaktiviere ich meinen Drang nach Naturschutz.

Apropos Deaktivierung:

Auch bei meinem Auto schalte ich immer wieder die Autostartfunktion ab. Bin einfach skeptisch, ob das dem Motor, dem Turbo und auch der Batterie guttut. Und wenn diese Teile länger durchhalten, dann unternehme ich doch indirekt auch etwas für den Umweltschutz.

Feuchttücher stellen mich ebenfalls vor das Problem: Will ich ein sauberes Gewissen oder doch lieber einen sauberen Hintern haben?

Bei der Kleidung ist unsere Familie zweigeteilt. Der Junior trägt Markenware, die dem Preis nach zu urteilen handgefertigt wurde; bestimmt in Fabriken die Wellnesstempeln gleichen und wo hochbezahlte Schneider(innen) ihren Dienst verrichten. Ob die Einstellung unseres Zöglings auch noch so bleibt, wenn er eines Tages selbst die Wäsche zahlen muss, wird sich zeigen, wenn er selbst die Wäsche zahlen muss.

Ich muss es bereits tun und deshalb steht beispielweise auf meinen Unterhosen nicht in großen Buchstaben, dass mein bester Freund angeblich Calvin heißt und das Gegenteil von Groß ist. Ich freue mich, wenn ich den 3er Pack Boxershorts preiswerter erwerben kann, als mich ein Päckchen Zigaretten kosten würde. Zwar stinken die Teile beim Auspacken mehr, wie nach dem ersten Tag des Tragens, doch ob dieser Geruch womöglich Kindernasen bei der Arbeit gequält haben kann, das nimmt mein Verstand nicht wahr. Der wird gerade mit heller Glücksgefühl-Leuchtschrift geblendet: „Prima, geile Schnäppchen gemacht!“. Natürlich kaufe ich nur Ware die in unbeschädigtem Kunststoff eingeschweißt wurde. Ich will das Zeug ja nicht vor dem Tragen erst einmal waschen müssen. Ob Bequemlichkeit oder das ökologische Gewissen der Grund dafür ist, das werde ich Ihnen jetzt ganz sicher nicht verraten.

Ich könnte diese Liste meiner  Verfehlungen noch immens verlängern. Doch möchte ich wirklich erkennen, dass Umweltschutz schon bei mir persönlich beginnt?

Belassen wir es also beim ersten Schritt und ich klage einfach bei meinem Umfeld die saubere Umwelt ein. Irgendwo muss man ja mal anfangen.

😉

 

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