Kinder vs. Vorstände

Wenn meine Schwester oder ich einst etwas angestellt hatten, gab natürlich keiner von uns beiden zu, etwas angestellt zu haben. Das führte allerdings dazu, dass wir Kinder stets beide von den Eltern bestraft wurden.

Nicht gerade clever von uns und besonders bitter für die jeweils unschuldige Person. Doch wir lebten in einer wahren Solidargemeinschaft. Geteiltes Leid war nicht halbes Leid – jedoch ein gemeinsames.

Hätte man uns Kinder damals in eine Art Vorstandsfunktion erhoben, mit einem Taschengeld in astronomischer Höhe, wären wir zu einer vierstufigen Handlungsweise gezwungen gewesen:

  1. Stufe: Die Verurteilung des Tatgeschehens
  2. Stufe: Der Erklärung, nichts von den üblen Vorgängen gewusst zu haben
  3. Stufe: Die Bereitschaft verkünden, alles für eine lückenlose Aufklärung zu unternehmen
  4. Stufe: Hinrichtung des Hamsters, Wellensittich, Katze, Hund oder des Nachbarjungen – was/wer immer sich auch anbietet, zur Schaffung einer besseren Stimmungslage geopfert zu werden.

Doch weil wir im Kleinkindalter noch kein BWL studiert hatten und keinen Vorstandsposten in unserer familiären Gemeinschaft innehielten, mussten wir für alles selbst geradestehen, was wir anstellten. Nicht einmal eine Bonuszahlung haben wir erhalten.

Da soll noch einer sagen, dass die Kindheit eine schöne Zeit sei!

 

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Schnäppchen made by VW

11 Millionen dafür zu zahlen, damit jemand den Verein wechselt und dann ein Jahr lang nicht zum Einsatz kommt?

Das klingt verdammt arg nach dem FC Bayern – doch dies können die Wolfsburger ebenfalls.

Gut: nicht der Fußballverein, allerdings der Volkswagenkonzern!

Im Grunde ist das noch eine Stufe dekadenter, denn die 11.000.000,- Euro waren wirklich für ein Jahr Nichtstun, eines neuen (und von Mercedes abgeworbenen) Vorstandsmitglied. Der gute Mann musste nicht einmal bei einem Training teilnehmen.

Wenn ich meinen aktuellen Verdienst zugrunde lege, dann würde ich nach knapp 300 Jahren echter Tätigkeit dieses Jahresgehalt egalisiert haben.

Okay – darum heißt es auch nicht Verdienst, was die Herren Vorstände kassieren, denn wirklich verdient ist daran nichts. Und das Gute für den Neuerwerb: bedingt durch das Jahr Müßiggang, kann dieser sich entspannt zurücklehnen sowie mit Fug und Recht behaupten: „Ich habe VW nicht in die Misere getrieben!“

Insofern hat er dem Autobauer durch sein Nichtstun mehr gedient, als die anderen Herrn der Führungsriege. So gesehen war sein Einkauf ein Schnäppchen!

Einfacher & Effizienter – Übersetzt: Personalabbau & Verkauf

Immer wieder interessant: da fährt ein Unternehmen Jahrzehnte lang Gewinne ein und diese scheinbar häufig nicht auf saubere Art und Weise und plötzlich das: größere Verluste in diesem Jahr und das vor allem wegen Rückstellungen für diverse Rechtsstreitigkeiten.

Nun will man bei der Deutschen Bank bis 2018 gut 3,8 Milliarden Euro einsparen und dabei – laut dem Vorstand – „Einfacher und effizienter werden!“

Vielleicht sollte man es einfach mal mit „ehrlicher“ versuchen! Sozusagen kleinere Brötchen backen, doch mit echtem Mehl.

Allerdings da unterscheiden sich die Vorstände nicht von Kindern: wenn diese getrickst haben und das Ganze entdeckt wird, dann schiebt man die Schandtat auf jemand anderen. „Der Torben ist schuld!“ Klar ist er das, denn er hat getan, was ihm der Marc-André aufgetragen hat.

Zurück zu unserem Bank-Sorgenkind:

Einfacher und effizienter wäre auch die Maßnahmen-Formulierung „Schließungen und Entlassungen“ gewesen.

6000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden und 20.000 weitere durch Veräußerung schwinden. Rund 25 Prozent der Mitarbeiter verschwinden und natürlich alles total fair und blablabla!

Richtig hart trifft es jedoch die Anleger der deutschen Bank, die zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren auf die Auszahlung einer Dividende verzichten müssen und das soll auch noch so in 2017 sein.

Welch ein Elend!

Übrigens:

Den Erträgen vor Steuern von 2010 bis 2014 in Höhe von:  53,534 Milliarden Euro, stehen bisher 5,741 Milliarden an Verlusten aus 2008 Gegenüber. Da sollte doch eigentlich genug Geld im Säckel sein, um die Verluste aus 2015 lässig zu stemmen, ohne gleich „Einfacher und Effizienter“ werden zu müssen.

Nun gut, dann warten wir eben bis 2018. Bis dahin werden wieder die üblichen Gewinne eingefahren und natürlich wird dann die Deutsche Bank die Stellen alle wieder anbauen.