Stay connected at Spielplatz

„Lars-Günther – schalte bitte die GoPro wieder ein!“, ruft es aus einem Fenster.

„Hab ich doch, Mama!“, brüllt es vom naheliegenden Spielplatz zurück.

„Lüg nicht – ich sehe auf meinem Tablet dass Du off bist!“

„Ja – gleich!“

So oder ähnlich können künftig Gespräche verlaufen.

Schlimm genug, dass man als Eltern das Bedürfnis verspürt, seinen Nachwuchs der realen Welt auszusetzen, statt diesem einfach nur eine 3D-Brille über den Kopf zu spannen.

Anlaufpunkt: Spielplätze im Freien, wo Kinder den realen Gefahren von Verletzung oder Straftätern der unterschiedlichsten Gattungen ausgesetzt sind und daher stets ein Elternteil gelangweilt auf einer Bank saß und mehr oder weniger interessiert, das Treiben der spielenden Kinder beobachtete.

Nun werden die ersten Spielplätze mit kostenfreiem Wlan versehen. Auf diese Weise ist es kein Problem mehr, über eine Helmkamera die Aktivitäten der kleinen Rangen aus gewisser Distanz zu bewachen. Wird ohnehin nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich die Kinder an den Schaukeln treffen und sich gegenseitig Messages schicken:

Bist du auch rausgeschickt worden?

Ja – meine Mutter hat mir zur Strafe kein Hausarrest erlaubt!

Ist nicht so schlimm!

Wieso?

Das Netz ist hier recht gut!

Echt? – Dann lass uns im Internet zocken und wenn es ruckelt, dann schalten wir die Cams einfach ab, bis die Ollen brüllen!

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Moderne Fahrzeuge

Ist die Autowerbung heutzutage nicht kurios?

Da kriegen wir suggeriert, dass wir für einen läppischen monatlichen Betrag ein neues Auto nutzen können und für den Gebrauchten gibt es obendrein noch so viel Geld, dass davon ein Urlaub auf den Malediven drin ist oder eine neue Anbauküche.

Richtig interessant ist, wie die Neufahrzeuge beworben werden:

Da geht es nicht mehr um Sicherheit und Ökonomie, sondern darum, dass mir eine Frauenstimme meinen Nachrichten-Eingang vorliest und meine Mutter – wenn ich sie denn in dem neuen Wagen mitnehmen würde – lautstark antwortet, ich wäre ausgeruht genug für sexuelle Aktivitäten.

Die Durchblutung fördernd sind dann auch Massagesitze, wobei ich persönlich befürchte: wenn das Auto zum Wellnesstempel mutiert, mit Massage, Dampfbad und Spa-Anwendungen, dann wird noch mehr auf den Straßen dahin-geschlummert.

Mal ein fiktives krasses Beispiel:

„Dieter, du fährst in falscher Richtung auf die Autobahn auf!“

„Dann sollen die anderen wenden, Doris! Ich kann momentan nicht, denn ich habe gerade Fango.“

Oder das neue Feature, das  in der Mittelklasse beworben wird: WLAN

Klar, damit habe ich die Chance, dass der Nachwuchs auch mal eine Fahrt im Auto mitmacht, die nicht nur die 400 Meter bis zur Schule führt. Da kann man dann nach Österreich fahren, die Kids dabei ununterbrochen surfen und als Eltern müssen wir uns keine Gedanken um Roaming-Gebühren und Verbindungsqualität machen (obwohl unsere Nachbarn ohnehin eine bessere Mobilfunkabdeckung haben, als wir in Deutschland).

Auch das Buchen einer Pension ohne Internetanschluss bleibt folgenlos und der Nachwuchs einfach im neuen Fahrzeug sitzen. Wenn unsere Wonneproppen Berge sehen wollen, dann können sie das problemlos über Google Maps. Das Essen kann gebracht werden und dank der ausklappbaren Gaming-Tables (die nun als Esstisch missbraucht werden) ist auf angenehme Weise für das leibliche Wohl gesorgt.

Wenn es dann nach dem Urlaub heißt: „Und wo warst du in den Ferien?“ folgt die Antwort: „Moment, muss ich mal google fragen!“