Alle Jahre wieder

Die Festtage sind vorbei und damit auch mal wieder die Zeit, wo wir von den TV-Sendern unaufhörlich mit Weihnachtsmännern in der Werbung behelligt werden. Die unzähligen Clips von Parfums weichen und lassen wieder Platz für die wild gestikulierende Wäscheexpertin/Schauspielerin Amy Sedaris, damit sie -gefühlt unstopable- von ihrem Produkt schwärmen kann. Auch die Kinder Pinguis werden langsam wieder mit den anderen Ferrero-Produkten über den Bildschirm wackeln.

Doch am meisten wird es mich freuen, wenn endlich die Telekom aufhört, uns derart heftig mit Werbung zu penetrieren. Fand ich das am Anfang noch ganz witzig, wenn Justin Bieber um ein junges Mädel tänzelte, wurde mir nach der zwanzigsten Wiederholung an einem Tag einiges klar:

  1. Ich war schon wieder mehr als 2 Stunden vor der Glotze
  2. Ich würde ganz sicherlich nicht einen teuren Magenta-Tarif buchen, um damit die Telekom zu motivieren, noch mehr Geld aus dem Gewinnen in die Werbung zu pulvern. Wir werden also keine „Friends“!
  3. Ich bin noch nicht senil – mein Kurzzeitgedächtnis funktioniert noch gut

Mal sehen, was uns demnächst in der Osterwerbung erwartet.

Doch bis dahin erst einmal ein schönes Restjahr 2017!

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Der Mensch ist nur vor Gott und nicht beim Mobilfunk gleich

Zugegeben, die Vodafone-Werbung ist schön gemacht, wo das junge Mädchen mit dem Tablet in der Schule steht und zu dem Papa Verbindung aufnimmt, der in irgendeiner Raumstation abhängt.

Da hat die Kleine wirklich großes Glück gehabt, dass sich der Vater irgendwo im Weltraum aufhält und nicht mit der Raumkapsel zum Beispiel im Wispertal (Taunus) gelandet ist. In diesem Fall hätte sie vergeblich auf Verbindung gewartet. Das Gleiche gilt auch für den Provider O2/ePlus, wo zumindest gebietsweise telefonieren möglich gewesen wäre (das ist eine Art skypen – nur ohne Bild) und selbst die Mutter der mobilen Telekommunikation, t-mobile, bietet hier Internet nur an gewissen Stellen an. Eine präzise Punktlandung mit dem Raumschiff wäre also zwingend nötig und dann Beamten-Mikado angesagt:

„Wer sich bewegt, verliert!“  (den Kontakt – Anm. d. Red.)

Klar, dass man in der Einsamkeit des Weltalls mit guter Netzverbindung ein wenig das Heimweh verliert. Wer im fast ebenso einsamen Wispertal haust, der ist schon daheim und falls mal wirklich ein Notfall eintreten sollte, so kompensiert sich der Zeitverlust bis zum Finden einer Funkzelle immer noch mit der schnelleren Anreise des Rettungsdienstes.

Selbst schuld, wer sich nicht bei Vodafone den Mobilfunk-Vertrag holt und mit LTE-Geschwindigkeit auf eine Raumstation schießen lässt.

Ab in den Wahnsinn

Ich freue mich „wie Bolle“ auf den Frühsommer und ich gehe davon aus, dass auch Sie das ebenfalls tun.

Doch nicht etwas nur wegen dem (hoffentlich) schönen Wetter. Mir geht es auch sehr um die Werbung.

Wurde mein Hirn seit Oktober 2015 bis Heilig Abend mit Weihnachtswerbung weichgeklopft, geht es nun seit Wochen schon unvermindert weiter, mit Angeboten der Reisebüros und vor allem der Urlaubsagenturen.

Ob nun der smarte Herr von Trivago, der einem täglich mit seinem Akzent von den Vorteilen berichtet, sich die Schnäppchen nicht selbst raussuchen zu müssen, über das Geschenk eines Koffers, wenn es „Ab in den Urlaub“ mit dem Michael Ballack geht oder zumindest mit der gleichnamigen Agentur mit der der Ex-Nationalspieler einen Werbevertrag abgeschlossen hat, bis hin zu überdimensional großen sowie dicken Ballwerfern, Heckenschneidern und deren bewundernden Frauen von Check24.

Wir sparen uns offenbar reich, wenn wir unseren Urlaub mit diesen Firmen buchen.

Mich nervt alles gewaltig! Mag sein, dass da ein wenig Neid schuld daran ist, weil weder Urlaubs- noch Geldmenge bei mir ausreichend sind, um all diese Wahnsinnsangebote nutzen zu können. Doch müsste nicht langsam jeder interessierte Konsument die Schnäppchen entdeckt und beim Anbieter seiner Wahl gebucht haben?

In ein paar Tagen verdrängt dann die permanente Ostergeschenke-Werbung diese Klientel, dann kommen die Leute dran, die uns gute Bikinifiguren andrehen wollen oder eben gute Badekleidung für die Figur und dann…. dann ist endlich Frühsommer… bis zum Herbst und der damit beginnenden Werbevorweihnachtszeit wird es dann etwas smarter bei Funk und Fernsehen.

Herrlich!!

Seh- und andere Schwächen

Im Fernsehen versucht uns seit ein paar Wochen ein Hersteller in seiner Werbung die Geruchsblindheit von Menschen zu vermitteln. Dabei wissen wir alle: wenn man Geruch bereits sehen kann (beispielsweise durch Schweißränder an Hemden), dann redet man nicht mehr von Geruch sondern von Gestank. Früher wurden solche Personen als Ferkel bezeichnet. Die hatten natürlich auch nichts mit Schweinen gemeinsam, reduziert man das Ganze auf die biologische Zusammensetzung. Wenn also die Nase laufen kann und die Füße riechen, wieso sollte da nicht auch eine Sehschwäche der Nase denkbar sein?

Vielleicht ist das entsprechende Geruchsvernichterspray bald auch schon bei Optikern wie Apollo oder Fielmann erhältlich.

Doch nicht nur die Werbung denkt sich solche Worte aus.

Es gibt die Takttaubheit – auch Amusie benannt. Da kann man zwar so weit alles hören, doch das Schlagen eines Taktes gelingt nicht. Ich halte Frau Angela Merkel für solch eine Amusie-Kandidaten.

Oder die Gesichtsblindheit (Prosopagnosie), die nichts mit unansehnlichen Gesichtzügen zu tun hat, sondern darunter leidende Menschen können Personen nicht oder nur sehr schwer unterscheiden.

Angeblich wären bis zu 2,5 Prozent der Weltbevölkerung davon betroffen. Hier vermute ich, dass man in Beverly Hills die Versuchsreihe gestartet und dann auf die Weltbevölkerung hochgerechnet hat. Da scheint mir jedoch der Krankheitsgrund ein anderer zu sein: eine Schönheitschirurgie-Blindheit. Sich ein Gesicht von der Stange operieren zu lassen, gehört doch dort schon zum guten Ton.

Oder die Tester haben Leute wie einen früheren Nachbarn von mir gefragt. Für den sahen alle ‚Schlitzaugen‘ (=Asiaten) gleich aus. Das war jedoch mehr eine Intellekt-Taubheit.

Abwarten was als nächstes Kunstwort uns serviert wird. Sollten Sie demnächst auf einen geruchsblinden Typ stoßen, dann fordern sie ihn energisch: „Reinige mal dich (oder was auch immer)!“

Mit etwas Glück können Sie einem Blinden sein Nasenlicht zurückgeben und ihrer Heiligsprechung steht durch solch ein Wunder nichts mehr im Wege.

Fischsterben und andere tierische Entwicklungen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnte für einige Stunden nicht auf FaceApp (formerly known as WhatsApp) zugegriffen werden.

Offizielle Aussage: Server-Probleme

Ich gehe einmal davon aus, dass dieser Shutdown nötig war, damit sich Facebook verbinden konnte. Wichtig, bevor doch der ein oder andere User kündigt (so wie ich) und die Daten nur noch aus Backups zu entnehmen sind.

Mal im Ernst:

Wir werden von allen möglichen Institutionen wie NSA oder BND wie auch von Apps abgehört. Die einen tun es aus Neugier, die anderen, um die Daten an Werbefirmen zu verkaufen.

Schon jetzt verbringe ich täglich mehr Zeit damit, die Spam-Mails zu entfernen und in meinem Spammail-Ordner die automatisiert dort abgelegten „echten“ Mails herauszusuchen sowie  als non-spam zu markieren, als mit dem Lesen der echten Eingangspost.

Auch die pop-ups von tabulosen Frauen, die in und um Hochheim wohnen und mit mir nichts anderes tun wollen als wilden Sex (und wenn ich in Aachen bin, mich die gleiche „Tanja“ anlächelt, jedoch nun plötzlich auch dort wohnt), klicke ich nur noch einfach weg.

Ich war lange Zeit der lässigen Ansicht: „Sollen die doch meine Daten ansehen – ich habe nichts zu verbergen!“

Doch nun bekommt mit der Fusion von Facebook und WhatsApp die Datensammlung eine völlig neue Dimension.

WhatsApp benötigt bei der Einrichtung Zugriffs-Erlaubnis auf sämtliche Bereiche des Smartphones und wie mir bekannt ist, werden ordentlich Daten abgezogen die mit dem eigentlichen Messaging-Dienst wenig zu tun haben. Nicht umsonst zählt diese App auf den mobilen Geräten die mein Arbeitgeber einsetzt zu den definitiven no-go Applikationen (obwohl facebook-Nutzung erlaubt ist).

Mit den Daten aus dem Privatleben des Facebook-User plus den mobilen Daten des WhatsApp-Nutzer (angefangen von den gespeicherten Rufnummer, über die genutzten Apps, dem Schriftwechsel sowie der Standortbestimmung) kann ein nahezu komplettes Bild des Alltages einer Person zusammengestellt werden.

Schon jetzt werden wir in Supermärkten durch bestimmte Musik und Anordnungen der Waren-Aufbauten bei unserem Kaufverhalten beeinflusst. Künftig wird das auch im medialen Umfeld passieren und das noch effektiver, denn hier können gezielt die Bedürfnisse geweckt werden.

So wird dann der Single vielleicht weniger Werbung bekommen, mit welchem Potenzmittel er sein Sexualleben wieder auf Vordermann bringen kann, jedoch  bei welchem Dating-Unternehmen er die Frau vorfindet, die ebenso sportlich ist wie er (weil man die Runtastic-App-Daten vorliegen hat) – aber auch sehr gerne italienische Speisen liebt (denn der User ist laut GPS-Informationen immer wieder in einem Ristaurante anzutreffen)  aber auch gerne mal einen Fantasy-Film sich ansieht (weil in Facebook da entsprechend ein paar likes vorhanden sind) und Side in der Türkei liebt (weil er dort immer seinen Urlaub verbringt).

Diese Chance, den Anwender gezielt zu manipulieren, lässt sich Facebook über 45 Dollar pro WhatsApp-User kosten und es zeigt, wie extrem wertvoll dieses gebündelte Wissen über die einzelne Person ist.

Was kann ich dagegen tun?

Versuchen, mit meinem Freundeskreis auf vermeindlich sichere Messenger umzusteigen.

Dieses Hopping wird natürlich nur zeitlich befristet  funktionieren. Denn so ein bisher kleiner Anbieter wie beispielsweise Threema wird spätestens dann vom Hai namens Facebook geschluckt werden, wenn er eine interessante Größe erreicht hat.

In der Tat werden wir nur dann ein halbwegs milch-gläserenes Profil schaffen, wenn wir uns daran gewöhnen Nutzungs-Nomaden zu sein und wirklich alle zwei Jahre zu einem anderen Anbieter wechseln.

Dem Hai wird zumindest das Leben schwer gemacht und vielleicht verliert er die Lust daran, ständig nach Beute Ausschau zu halten.